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Lesezirkel am 21. Juli* 2026, 18:30
56. Treffen des SADOCC-Lesezirkels für afrikanische Literatur
am Dienstag, 21. Juli* 2026, um 18:30 Uhr
* ausnahmsweise um 1 Woche auf den 3. Dienstag des Monats vorverschoben / Ort bei Schönwetter: private Terrasse
Diskussion von Stella Gaitanos (Südsudan/D) Debüt-Roman : Eddos goldenes Lächeln, 2026
Stella Gaitano
Stella Gaitano, geboren am 17. November 1979 in Khartum im damals noch ungeteilten Sudan, ist eine südsudanesische Schriftstellerin, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin.
Ihre Eltern waren aus dem Süden vertrieben worden. Sie wuchs in Khartum auf und studierte dort Pharmazie, Bachelor-Abschluss 2006. Nach der Gründung des Staates Südsudan 2011 verlor sie ihre sudanesische Staatsbürgerschaft und zog nach Juba, Hauptstadt des Südsudan. Sie arbeitete als Apothekerin, begann daneben als Journalistin zu schreiben und veröffentlichte Kurzgeschichten über Krieg, Vertreibung, Armut und Hilflosigkeit. Sie engagierte sich in humanitären und Bildungsprojekten. Wegen ihrer Kritik an der Misswirtschaft und Korruption der Regierung wurde sie verfolgt, musste 2015 mit ihren Kindern das Land verlassen und zog wieder nach Khartum. Hier erwarb sie 2018 ihren Master-Titel in Public Health. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman auf Arabisch. Nachdem sie sich für Menschenrechte im Darfur-Konflikt engagiert hatte, war ihr Leben und das ihrer Kinder auch in Khartum nicht mehr sicher. 2022 ermöglichte ihr ein Writers in Exile-Stipendium des PEN den Umzug nach Deutschland, wo sie seither in Kamen, Nordrhein-Westfalen, lebt.
Einige ihrer Kurzgeschichten sind 2024 auf Deutsch unter dem Titel Endlose Tage am Point Zero erschienen. Nach ihrem Debüt-Roman ist ein zweiter Band als Fortsetzung der Familiengeschichte, Erim oder Ireme, bereits 2025 auf Arabisch publiziert worden, aber erst auszugsweise ins Englische und noch nicht ins Deutsche übersetzt worden.
Eddos goldenes Lächeln, 2026 / Edo’s Souls, 2023
(~Edos Geist oder Geister), 2018
»Gaitano erzählt vom südlichen Sudan und von Khartum, von den 1960er Jahren bis in die Mitte der 1980er, und doch liest sich der Roman im Jahr 2026, angesichts der katastrophalen Kriegslage im Sudan, mit einer fast schmerzhaften Gegenwärtigkeit. Der 2023 ausgebrochene, aktuelle Krieg steht nicht im Vordergrund – er kann das anlässlich der Erstveröffentlichung des arabischen Originals im Jahr 2018 natürlich gar nicht sein –, aber er hat hier eine Vorgeschichte, die Gaitano erzählt. Eine Vorgeschichte aus Militarisierung, Misstrauen, ethnischer Hierarchie, religiöser Vereinnahmung, Verarmung, Binnenmigration, patriarchaler Gewalt und staatlicher Brutalität. […]
Dabei ist Eddos goldenes Lächeln alles andere als ein Thesenroman. Seine Komplexität liegt gerade darin, dass er nicht nur eine Linie zieht, sondern ein ganzes Geflecht von Linien. Anfangs scheint Eddo im Zentrum zu stehen, dann Lucy, dann Marco, Theresa, Peter, später die Kinder, die Enkel, die Geister. Perspektiven wechseln plötzlich, fast spielerisch […]. So entsteht ein polyphones Familien- und Gesellschaftspanorama, in dem niemand nur Opfer, niemand nur Täter, niemand nur Symbol ist. Selbst die archaische Dorfordnung erscheint nicht als verlorenes Paradies. Sie ist brutal, patriarchal, von Aberglauben und Gewalt durchzogen. Und doch kennt sie Formen von Ausgleich […].« Aus der Rezension von Axel Timo Purr
»[…] Stella Gaitano <lässt uns> diese Geschichte fühlen, und fokussiert sich dabei vor allem auf das Leid der Frauen […]. Hinzu kommen Vertreibungen, Tod, Verluste […]. Und trotzdem liegen in diesem Roman Schönheit und Schmerz so nah beieinander: einerseits dank der sinnlichen, teils poetischen Sprache, aber auch inhaltlich: Stella Gaitano erzählt von enormem Zusammenhalt, von Freundschaft und Liebe, von Altruismus – und, um auf Eddo und Lucy zurückzukommen: von einer weiblichen Energie und Widerständigkeit, die überlebt, trotz aller Widrigkeiten.« Aus der Radio-Rezension von Sarah Murrenhoff
Neue Teilnehmende sind uns willkommen. Bei stabilem Schönwetter treffen wir uns auf einer privaten Terrasse statt in der SADOCC-Bibliothek. Die Adresse wird bei Anmeldung bekannt gegeben: Lotte Rieder-Fraunlob
