Das war der Nelson-Mandela-Tag 2026

Am 18. Juli 2026 organisierte SADOCC bereits zum zehnten Mal die traditionelle Kulturwanderung in der Seestadt Aspern zum Gedenken an Nelson Mandela, der heuer seinen 108. Geburtstag gefeiert hätte.

Das diesjährige Thema „Vergangenheitsbewältigung“ lädt dazu ein, sich auch mit der Gegenwart auseinanderzusetzen: Mit welcher Maßlosigkeit werden wir aktuell konfrontiert – international, in Europa und in Österreich? Wo muss unsere Gesellschaft Maß halten, und wie gelingt es, eine Balance zu wahren, um ein Ausreizen von Grenzen zu vermeiden? Um diese Fragen auch kulturell zu reflektieren, wurde das Programm erneut durch künstlerische Beiträge bereichert.

  1. Station: Nelson-Mandela-Platz

Den Auftakt bildete die feierliche Eröffnung am neu gestalteten Nelson-Mandela-Platz, der Anfang Juli fertiggestellt wurde. Der Platz überzeugt durch seine klimafitte Gestaltung mit Brunnen, großzügigen Grünflächen, Sitzmöglichkeiten, breiten Wegen und architektonisch ausgezeichneten Haltestellen.

Nach der Begrüßung durch Moderatorin Katharina Grascher sprachen Walter Sauer (Vorsitzender von SADOCC), Bezirksrätin Gabriele Plank (Mitglied der Kulturkommission) sowie Lunga Bengu, stellvertretender Botschafter der Republik Südafrika in Wien.

Im Anschluss gab der Schauspieler Francis Okpata eine Performance wieder, in der er Nelson Mandela verkörperte. In einem Monolog reflektierte er 27 Jahre Gefangenschaft, die er für seinen Traum eines gerechten Südafrikas opferte und seinen Weg, anstelle von Vergeltung die Versöhnung voranzutreiben. Der Monolog endete damit, dass es nicht nur Mandelas Traum gewesen sei, sondern, dass ein jeder die Verantwortung für eine freie, demokratische und solidarische Gesellschaft trage.
Okpata wirkte unter anderem in den Filmen Die Migrantigen, Liebe möglicherweise, Strong, Tatort und Der schwarze Löwe mit. Nach Engagements am Burgtheater ist er seit 2013 als Sozialarbeiter bei Fair Play tätig und auch in der Seestadt aktiv.

  1. Station: DOCK Seestadt

Weiter ging es zum DOCK Seestadt, einer neuen temporären Veranstaltungslocation direkt am Asperner See. Robert Grüneis, Vorstand der Wien 3420 AG, gab einen Ausblick auf kommende Stadtentwicklungsprojekte.

Für den musikalischen Beitrag sorgte Amidou Koita mit Gesang sowie Djembe und Kora. Der aus Burkina Faso stammende Musiker lebt seit vielen Jahren in Wien und ist Gründer der Band Jorossin. In seinen Liedern erzählt er von Familie, Gemeinschaft und Zusammenhalt und schlägt musikalische Brücken zwischen Afrika und Europa. Darüber hinaus vermittelt er sein Wissen in Workshops und Schulprojekten und knüpft damit an die Tradition der westafrikanischen Griots an. Seit Jahren steht er auch gemeinsam mit dem Balafonspieler Mamadou Diabaté auf der Bühne.

  1. Station: Elinor-Ostrom-Park

Im Elinor-Ostrom-Park las die Schauspielerin Safira Robens ausgewählte Briefe Nelson Mandelas, darunter Passagen aus der Rivonia-Rede (1964), einen Brief an seine Tochter Zindzi (1969) sowie einen Gefängnisbrief aus dem Jahr 1970.

Safira Robens, mit deutsch-angolanischen Wurzeln, wuchs in Deutschland und Portugal auf und absolvierte 2022 ihr Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Seit 2021 ist sie Ensemblemitglied am Burgtheater und tritt regelmäßig in Produktionen wie Schwarzwasser, Das Himmelszelt, Komplizen, Katharsis und Der Fall McNeal auf.

  1. Station: Vor der VHS Kulturgarage

Vor der VHS Kulturgarage wurden Gedichte der südafrikanischen Dichterin, Freiheitskämpferin und Diplomatin Lindiwe Mabuza gelesen, vorgetragen von Lunga Bengu, Safira Robens und Mikail Barnard.

Lindiwe Mabuza (1938–2021) war eine bedeutende Stimme im Kampf gegen die Apartheid. Sie arbeitete als Lehrerin, Wissenschaftlerin und Journalistin, war Mitglied des ANC und unter anderem für den Sender Radio Freedom tätig. Später vertrat sie Südafrika als Diplomatin in mehreren Ländern und war Abgeordnete im südafrikanischen Parlament. Ihr literarisches Schaffen war eng mit ihrem politischen Engagement verbunden. Sie selbst sagte: „Poetry is part of the struggle … It gets to the heart of the matter. It moves people.“

  1. Station: VHS Kulturgarage

Den musikalischen Ausklang gestaltete die Esslinger Band Fisherman & Friends mit Jazz und Wiener Texten. Die Formation wurde im Jahr 2000 vom Multiinstrumentalisten Willi Vranovsky gegründet.

Mit dem südafrikanischen Texter Marcel Nicklis entstand unter anderem das Lied Nkululeko, dessen Reinerlös dem Hilfsprojekt „Abigail Women’s Movement“ zugutekommt. Dieses unterstützt unter anderem ältere Menschen, Waisenkinder sowie HIV-Erkrankte. Ein weiteres Projekt ist die „Greenbox“, ein Altspeisefett-Sammelsystem, das durch die Produktion von Biodiesel Nachhaltigkeit fördert und gleichzeitig soziale Initiativen wie das Langbos Children’s Centre unterstützt.

Für das leibliche Wohl sorgte Miodrag Savic von der Seestadt-Kantine mit südafrikanischen Curries, Vetkoek sowie einem Angebot an alkoholischen und alkoholfreien Getränken.

Dank
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Beteiligten, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, insbesondere Organisationsteam Katharina Grascher, Helena Hornung, Birgit Reiter und Walter Sauer sowie Manfred Fraunlob, Ruth Karas, Maria Kirchner, Alexander Kupfer, Rusty Manuel, Ulrike Neuhauser, Lotte Rieder-Fraunlob, Manfred Sauer,Rose Sedlacek und Volkmar Überacker sowie allen Unterstützer:innen im Hintergrund.

Besonderer Dank geht an unsere Kooperationspartner:innen, darunter Christian Stromberger (Bezirksrat Donaustadt), dem Team rund um Sabine Müller (wien3420), Anna Oladejo (Interlink Marketing), Miodrag Savic (Seestadt-Kantine), Karl Dworschak (VHS Donaustadt), die beteiligten Künstler:innen sowie den Bezirk Donaustadt, der mit der Kulturförderung „Do:now Stadt.Kultur“ zum diesjährigen Mandela-Tag beigetragen hat.

Fotos: Maria Kirchner und Birgit Reiter