Lesezirkel am 26. Mai 2026, 18:30

55. Treffen des SADOCC- Lesezirkels für afrikanische Literatur in der SADOCC-Bibliothek am Dienstag, 26. Mai 2026, 18:30 Uhr

Diskussion von Fatin Abbas (Sudan/USA): Ghost Season, 2023 / Zeit der Geister, 2024

Fatin Abbas

Fatin Abbas ist eine aus dem Sudan stammende US-amerikanische Journalistin, Schriftstellerin und Universitäts-Dozentin.
Sie wurde 1981 in Khartoum geboren. Dort lernte sie bereits Englisch und besuchte englischsprachige Schulen. Als ihr Vater politisch verfolgt wurde, floh ihre Familie 1990 nach New York, wo sie aufwuchs und die Schule abschloss. Sie beendete ihr Englisch-Studium an der University of Cambridge, UK, im Jahr 2003 mit einem BA, Vergleichende Literaturwissenschaften an der Harvard University 2011 mit einem Doktorat – und Creative Writing an der City University of New York 2013 mit dem MFA-Titel (Master of Fine Arts).
Ihre Essays, Reportagen und Rezensionen erschienen in renommierten internationalen Zeitungen, und sie erhielt dafür und auch für ihre Kurzgeschichten mehrere Preise.
Sie war mehrmals Writer bzw. Artist in Residence oder Stipendiatin in verschiedenen europäischen Ländern, einmal wohl auch in Wien.
Ihre Forschungsarbeiten befassen sich mit der Geschichte der afrikanischen Diaspora, mit staatlicher Macht nach der Unabhängigkeit, mit Gender-Fragen in der afrikanischen und arabischen Literatur sowie mit Kolonialismus und Globalisierung als Themen in Literatur und Film.
Sie hat als Dozentin für Fiction Writing am MIT, am Pratt Institute in New York und für Vergleichende Literaturwissenschaft am Bard College in Berlin gearbeitet.
Einmal, vermutlich in den frühen 2000er-Jahren, kehrte sie als amerikanische NGO-Mitarbeiterin in den Sudan zurück, wo sie auch Dokumentarfilme drehte. Ihr erster Roman Ghost Season entstand als Ergebnis ihrer damaligen Eindrücke im Land ihrer Herkunft. Dieser Roman machte sie 2023 international als Autorin bekannt und erschien 2024 in deutscher Übersetzung. (Diverse Quellen, u.a. https://www.fatinabbas.com/)

Ghost Season / Zeit der Geister
Die Handlung des Romans spielt in der (fiktiven) abgelegenen Kleinstadt Saraaya in der Grenzregion zwischen dem Norden und Süden des Sudan in den Jahren 2001 und 2002. Dort treffen fünf Charaktere aufeinander, die gemeinsam auf dem Gelände einer NGO wohnen: Alex, ein Amerikaner, der neue Karten der Region erstellen und so die Hilfsmaßnahmen unterstützen soll; William, der als Alex’ Übersetzer fungiert und für das Grundstück verantwortlich ist; Layla, die Köchin, in die William verliebt ist, obwohl ihre unterschiedlichen Zugehörigkeiten (er ist Nilot, sie ist Nomadin) mit dem drohenden Konflikt verknüpft sind; Mustafa, ein frühreifer 12-Jähriger, den William unter seine Fittiche genommen hat; und Dena, eine sudanesisch-amerikanische Filmemacherin. Am Ende der Roman-Handlung im Jahr 2002 kommt es zum Machakos-Protokoll, einem Rahmenabkommen für Friedensverhandlungen im Sezessions-Krieg zwischen Sudan und Südsudan (der 2011 ein unabhängiger Staat wurde).
„Ich bin zutiefst beeindruckt von der literarischen Stärke der Autorin: Gewalt und Unterdrückung sichtbar und erfahrbar zu machen – und es dennoch nicht dabei zu belassen. Keine naiven Illusionen, sondern Widerständigkeit, Bewahrung von Mit-Menschlichkeit, ein individuelles Trotzdem!“ Inge Grau

Neue Teilnehmende sind uns willkommen. Anmeldung erbeten bei Lotte Rieder-Fraunlob