Zusammenfassung der Diskussion über Stella Gaitano’s Roman Edo’s Souls / Eddos goldenes Lächeln, 21. Juli 2026

Unsere Diskussion fand am 21. Juli mit 14 Teilnehmenden statt. Die meisten hatten die direkte Übersetzung aus dem arabischen Original (2018) ins Deutsche gelesen, Eddos goldenes Lächeln (2026), da diese in Wien leichter erhältlich war. Einige von uns hatten jedoch die englische Übersetzung, Edo’s Souls (2023), gelesen, weshalb wir die beiden Übersetzungen miteinander vergleichen konnten.

Es war eine lebhafte Diskussion mit stark divergierenden Reaktionen auf die Lektüre. Dies sind einige der Aspekte, über die wir gesprochen haben:

Als Buchclub sind wir wirklich dankbar, diesen Roman lesen zu können. Bei unserem letzten Treffen hatten wir über Fatin Abbas’ Ghost Season / Zeit der Geister gesprochen und beschlossen, weitere Werke von Autor*innen aus dem Sudan zu lesen, um besser zu verstehen, was in diesem Land vor sich geht. Auch Stella Gaitano stammt aus dem Sudan; sie lebt seit wenigen Jahren im Exil in Deutschland.

Die meisten von uns schätzen die unterschiedlichen Stimmen und Perspektiven der Romanfiguren, die zusammen ein komplexes Bild von der Entwicklung familiärer Beziehungen, dem gegenseitigen Einfluss von Familienmitgliedern und Freunden, den Rollen von Frauen, von Dorf- und Stadtbewohnern sowie von Religionen zeichnen – und von so vielen weiteren Themen in der Zeit von den 1960er Jahren bis in die frühen 1980er Jahre, in Zeiten von Krieg, Staatsstreichen und Unruhen im Sudan.

Einigen von uns hat es so sehr gefallen, über das Dorf zu lesen, über Edos Tricks gegen das Patriarchat, über Lucys Kindheit und über ihre ersten Reaktionen auf die städtische Umgebung, dass sie lieber mehr aus Lucys Perspektive über das Leben gelesen hätten. Andere hätten sich mehr Hinweise auf historische Hintergründe gewünscht, wie etwa die Erwähnung des Jahres 1976 als „Jahr des Chaos“ in der englischen Übersetzung – ein Hinweis, der in der deutschen Fassung fehlt.

Wir sind froh, von vielen Geburten und dem Überlebenswillen aller Figuren zu lesen, was einen Gegenpol zu den vielen Todesfällen bildet – nicht nur zu jenen von kleinen Kindern, wie Edo sie erlebt hat, sondern auch zu denen, die auf die Gräueltaten von Soldaten und Milizionären zurückzuführen sind, wie sie unzählige Bewohner sowohl im Süden als auch im Norden des Sudan erlebt haben. Es tut gut zu lesen, wie in Kriegszeiten viele der Roman-Figuren einander näherkommen.

Die meisten von uns sind angetan von der Vielzahl an Themen, die der Roman abdeckt, während einige von uns sie für etwas zu zahlreich halten. Wir wissen sehr zu schätzen, wie der Roman die Dialektik der Aufklärung (Adorno und Horkheimer) veranschaulicht: Naturverbundene und magische Arten, die Welt zu verstehen, werden zugunsten von Säkularismus und wissenschaftlichen Ansätzen in der modernen Gesellschaft vernachlässigt – wie der Konflikt zwischen Lucy und Peter über die Verwendung ihrer überschüssigen Muttermilch zeigt.

Weitere Diskussionspunkte waren unsere Anmerkungen zu den Titeln des Buches auf Englisch und Deutsch, zu Unterschieden zwischen der englischen und der deutschen Übersetzung sowie zu Passagen, die uns besser gefallen als andere.

Es bleiben uns eine Reihe von Fragen: Welche Auswirkungen hat das Übersetzen von Geschichten, die die Autorin von ihren Lotuko-Vorfahren gehört hat, ins Arabische? Wie könnten wir als europäische Leser*innen lernen, unsere Lesegewohnheiten an arabische Erzähltraditionen anzupassen?

Viele unserer Lesezirkel-Teilnehmer*innen freuen sich darauf, die Fortsetzung Ireme oder Erim der geplanten Trilogie zu lesen, von der wir hoffen, dass sie bald aus dem Arabischen ins Englische und Deutsche übersetzt wird. Wir veröffentlichen unsere Reaktionen auf diesen Roman in der Hoffnung, dass dies dazu beitragen könnte, solche Übersetzungen zu fördern.