Lesezirkel am 24. März 2026, 18:30

54. Treffen des SADOCC- Lesezirkels für afrikanische Literatur in der SADOCC-Bibliothek am Dienstag, 24. März 2026, 18:30 Uhr

Diskussion von Abdulrazak Gurnah (Zanzibar/UK): Theft, 2025 / Diebstahl, 2025

Abdulrazak Gurnah

Abdulrazak Gurnah, Träger des Nobelpreises für Literatur 2021, wurde 1948 in Zanzibar City geboren, im heute zu Tanzania gehörenden Sultanat Zanzibar. Seine Erstsprache war Kiswahili, und er besuchte in seiner Geburtsstadt die vom englischen Kolonialsystem geprägten Schulen. Als Achtzehnjähriger flüchtete er vor der im Gefolge der zanzibarischen Revolution von 1964 entfesselten Verfolgung der dortigen arabisch-stämmigen Minderheit. Er lebt seit 1968 in England, wo er studierte und über Literaturkritik westafrikanischer Romane dissertierte.
Neben seiner akademischen Laufbahn ─ bis zu seiner Emeritierung 2017 von der University of Kent, Canterbury, war er Professor für Englisch und Postkoloniale Literaturen ─ schrieb Gurnah seit den 1980er-Jahren Kurzgeschichten und bisher 11 Romane, die bis 2021 nur wenig Aufmerksamkeit fanden.
Von seinen auf Englisch geschriebenen Romanen wurden fünf zwischen 1996 und 2006 ins Deutsche übersetzt, waren 2021 aber vergriffen. Inzwischen werden diese Übersetzungen neu aufgelegt: 2021 Das verlorene Paradies, 2022 Ferne Gestade, 2023 Die Abtrünnigen; Afterlives aus dem Jahr 2020 wurde 2022 als Nachleben auf Deutsch veröffentlicht; Das versteinerte Herz erst 2024; sein jüngster Roman, Theft / Diebstahl, erschien 2025 auf Englisch und noch im selben Jahr auf Deutsch.

Theft / Diebstahl
Dieser Ausschnitt stammt aus der in Falter Bücher-Herbst 2025 am 14.10.2025 veröffentlichten Rezension von Sigrid Löffler:
Diebstahl […] fasst […] die jüngsten gesellschaftlichen Verwerfungen durch die zwiespältigen Auswirkungen des Tourismus in Ostafrika ins Auge. Der Roman bewegt sich im engen Radius zwischen der Insel Sansibar und der Hafenstadt Daressalam und konzentriert sich kammerspielartig auf die komplexen Binnenbeziehungen zwischen drei jungen Leuten in den 1990er- und den Nullerjahren.
Nichts Weltbewegendes passiert, aber doch Entscheidendes: Die drei heranwachsenden Protagonisten – Karim, Badar und Fauzia – lösen sich von den sozialen Normen, den lokalen Sitten und Gebräuchen der Elterngeneration. Sie machen bislang unbekannte Ausbildungen, besorgen sich und einander Unterkünfte jenseits der Familienaufsicht, finden Jobs und einen Platz in einer veränderten Welt.
Während die ganze Region vom Kulturwandel durch den aufkommenden Tourismus durchgerüttelt wird, verteidigt die ältere Generation mit nachlassender Beharrungskraft ihren überkommenen Lebensstil und ihre traditionellen Wertvorstellungen.
Die jungen Leute haben Teil an einem Modernitätsschub, der vor allem die Küstenregion Tansanias in eine florierende Dienstleistungsgesellschaft verwandelt. Es entstehen neue Hotels für neue Besucher aus Europa – Touristen, Geschäftemacher, EU-finanzierte NGOs. […]“

Neue Teilnehmende sind uns willkommen. Anmeldung erbeten bei Lotte Rieder-Fraunlob