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Rückblick auf 10 Jahre Nelson-Mandela-Tag
Die Kulturwanderung am Nelson-Mandela-Tag in der Seestadt hat sich in zehn Jahren von einem politisch erkämpften Erinnerungszeichen zu einem lebendigen, gemeinschaftsstiftenden Ritual entwickelt, das Kunst, urbanen Raum, globale Gerechtigkeitsfragen und Mandelas Vermächtnis eng miteinander verknüpft.
Vorgeschichte
Nelson Rolihlahla Mandela war ein führender südafrikanischer Anti-Apartheid-Kämpfer sowie von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident seines Landes. Aufgrund seiner Aktivitäten gegen die Apartheidspolitik in seiner Heimat musste Mandela 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft verbringen. Er gilt als einer der im 20. Jahrhundert international herausragendsten Vertreter im Kampf für Freiheit, gegen Rassentrennung, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis. Mandela verstarb im Dezember 2013. Besonders hervorstechend war seine Art, mit den Verbrechen der Apartheid umzugehen: Anstatt auf Rache und Vergeltung setzte er auf Versöhnung und Zusammenhalt.
Der jährliche Gedenktag, initiiert von den Vereinten Nationen, ruft am Geburtstag des 2013 verstorbenen Freiheitskämpfers, Politikers und Friedensnobelpreisträgers dazu auf, Verantwortung für Mitmenschen und Gesellschaft zu übernehmen. Nach langjährigen Forderungen und Aktivismus, erreichte SADOCC 2016, dass die Stadt Wien eine Verkehrsfläche in der Seestadt nach dem Freiheitskämpfer benannte.
2017
Ein Jahr nachdem dem Menschenrechtsaktivisten eine Verkehrsfläche in dem noch unbebauten Norden der Seestadt gewidmet wurde, veranstaltete SADOCC die erste Kulturwanderung, um an Mandelas Leben und Schaffen zu erinnern. SADOCC machte es sich zur Aufgabe, den damals noch in der Einöde befindlichen Mandela-Platz durch ein buntes Programm zu beleben. Unter dem Motto „Take Action – Inspire Change“ führte die Wanderung, beginnend am Hannah-Arendt-Platz, an verschiedenen Stationen vorbei, die u.a. durch Musik von AFRICAN HIGHLIFE, dem Seestädter Gospelchor Source de Salut sowie einer Live-Schaltung nach Südafrika bespielt wurden.
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2018
Im Jahr 2018 hätte Mandela seinen 100. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass wartete SADOCC mit einem prominenten Programm auf. Vorab zeichnete eh. Bundespräsident Heinz Fischer anlässlich Mandelas 100. Geburtstag eigens für SADOCC eine Videobotschaft auf. Am 18. Juli selbst las Chris Lohner, die bekannte Journalistin, Autorin, Moderatorin, Kabarettistin und Schauspielerin sowie die langjährige Stimme der ÖBB, Mandelas Nachrichten aus dem Gefängnis. Musikalische Highlights waren die Performance der OFU-OBI CULTURAL GROUP, dem Vocal-Trio INSINGIZI, dem auch Futurelove-Sibanda angehört, dem Seestädter Enseemble der Vienna Lake Side Academy, uvm.
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2019
Nun zum dritten Mal lud SADOCC zur Kulturwanderung in die Seestadt ein. Diesmal fand die feierliche Eröffnung direkt am Mandela-Platz statt, auch wieder mit Bezirksvorsteher Ernst Nevrivry und Vertreter:innen der südafrikanischen Botschaft. Von dort gelangte man zur Notgalerie, die 2015 von Künstler Reinhold Zisser gegründet wurde, indem eine alte Notkirche aus Holz, an den „Rand des Wiener Kulturbetriebes“ in die Seestadt versetzt wurde, um dort „einen autonomen Raum zu öffnen“. Hier wurde Mandelas Antrittsrede zu seiner Präsidentschaft vorgeführt. Highlights des Programms waren neben der Buchvorstellung „Walking in my Skin“, eine Podiumsdiskussion von Wahlbeobachter:innen (1994 und 2019), darunter ORF Referentin Margit Maximilian, sowie der Besuch von Horst Kleinschmidt aus Kapstadt. Kleinschmidt war bereits früh in den Kampf gegen die Apartheid involviert. Er wurde von Mandela selbst als vorübergehender gesetzlicher Vormund seiner Töchter Zenani und Zindzi ernannt, während seine Frau Winnie Mandela 1974 für sechs Monate inhaftiert wurde, weil sie gegen ihre Sperranordnung verstoßen hatte.
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2020
Pandemiebedingt drohte die Kulturwanderung aufgrund gesetzlicher Beschränkungen auszufallen. Nichtsdestotrotz gab es in diesem Jahr ein reiches Programm, diesmal aufgeteilt auf viele kleinere Interventionen und virtuelle Aktionen. In einer Zeit der Ungewissheit und Krise, wurde auch der Prozess angestoßen, ein Denkmal für Mandela zu entwerfen. Mit einem Denkmal sollen Menschenrechte verfestigt werden, für die Mandela einstand und den Nelson-Mandela-Platz zu einem dauerhaften, gemeinsam entwickelten Ort der Erinnerung machen. Im Vorfeld des Gedenktages fand ein reger Austausch zwischen Künstler:innen in Südafrika und Aktivist:innen in Wien statt, der unter dem Titel „Solo Solidarity Future“ geführt wurde, einer Kooperation zwischen SADOCC und austro-südafrikanischem Künstler Marcus Neustetter. In einer virtuellen Grußadresse teilte auch Bürgermeister Ludwig seine solidarische Verbundenheit zu Mandela mit.
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2021
Auch 2021 verteilte sich das Programm auf mehrere kleine Veranstaltungen, um den damals geltenden Schutzmaßnahmen im Zuge der COVID-19-Pandemie gerecht zu werden. Ein gemütlicher Auftaktabend im Nachbar_innen Zentrum Yella Yella widmete sich Erzbischof Desmond Tutu, welcher in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte und ebenso wie Mandela Träger des Friedensnobelpreises war. Künstlerische Workshops und ein politischer Reisebericht hingegen verfolgten weiterhin das Ziel, ein Mandela-Denkmal zu konzipieren, ein Diskussionsabend mit Mireille Ngosso widmete sich dem Rassismus in Österreich und der #blacklivesmatter-Bewegung. Am 18. Juli selbst fand eine Kulturwanderung statt, die mit der Eröffnung eines provisorischen Denkmals in Form einer Litfaßsäule durch Franz Fischler (eh. Präsidente das Forum Alpbach) ihren feierlichen Beginn fand. Ein weiteres Highlight waren die Zeitzeugenberichte des Botschafters Georg Lenkh (Kreisky-Forum) und Prof. James Loader.
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2022
Im Rahmenprogramm des Mandela-Tages 2022 wurde die Denkmalgestaltung weitergeführt. Im Dialog, der sich in den Vorjahren entfaltete, wurde deutlich, dass ein Mandela-Denkmal nicht nur der Vergangenheit gewidmet sein soll, sondern auch die Zukunft repräsentieren muss, um gesellschaftlich bedeutsam zu sein. Ein Workshop mit Schüler:innen des Seestädter Bildungscampus Liselotte-Hansen-Schmidt, brachte die nächste Generation in Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenrechte. Die daraus entstandenen Entwürfe der Schüler:innen stellte Künstler Marcus Neustetter als Teil einer Ausstellung auf der Kulturwanderung vor. Weitere Highlights waren eine Lesung Mazisi Kunene’s isiZulu-Poesie (Nkosinathi Dlamini & Karl-Heinz Mörth, Uni Wien) sowie der feierliche Ausklang in der Kulturgarage mit Musik von MaMoZi und Thulufisa.
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2023
Das Programm der nun zum siebten Mal veranstalteten Kulturwanderung legte diesmal den Fokus auf Frauen und weibliche Aktivistinnen, die sich wie Mandela für Freiheit und die Wahrung der Menschenwürde einsetzten. In einer Auftaktveranstaltung stellte Prof. Kirsten Rüther Charlotte Maxeke vor, Aktivistin und erste schwarze südafrikanische Universitätsabsolventin. Die eigentliche Kulturwanderung am 18. Juli eröffnete u.a. Brigitte Öppinger-Walchshofer. Neben einem Poetry Slam über die Kraft und Stärke von Freiheitskämpferinnen, vorgetragen von Mihret Kebede (Addis Ababa University of Fine Arts), waren die Fotoausstellung mit Werken von südafrikanischen Fotografinnen, kuratiert von Maria Kirchner sowie der musikalische Ausklang in der Kulturgarage Highlights des Programms.
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2024
Bei der achten Kulturwanderung, die SADOCC am Nelson-Mandela-Gedenktag veranstaltete, nahm der mittlerweile in Kooperation mit Marcus Neustetter als Produkt eines mehrjährigen ko-kreativen Prozesses entstandene Denkmal-Entwurf Gestalt an. Am Hermine-Dasovsky-Platz wurde ein lebensgroßes Modell des Entwurfes in einer interaktiven Performance zum Leben erweckt. Weitere Highlights waren eine Buchvorstellung von Wolfgang Palaver, ein Interview mit Videojournalistin Regina Strassegger sowie der Beitrag der eh. Starmania Sängerin Jennifer Muhozi. Musikalisch umrandet wurde das Programm von Saxophonist Allan Landgraf und dem Pianisten Florian Nentwich.
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2025
Aufgrund der baulichen Gegebenheiten leiß die Kulturwanderung zum zweiten Mal in Folge den Mandela-Platz aus. Das übergeordnete Thema des Programms drehte sich um die südafrikanische Freiheitscharter, die 70 Jahre zuvor als Dokument gegen die Apartheid und für Demokratie, Gleichberechtigung sowie die Wahrung der Menschenrechte von einem Volkskongress beschlossen wurde. Nach der Eröffnung mit Musik von Saxophonist Allan Landgraf, führte die Wanderung zur VHS, in der ein kurzer Dokumentarfilm von Andy Mkosi vorgeführt wurde, der von der Auseinandersetzung mit der Freiheitscharter und deren Bedeutung für die heutige Gesellschaft in Südafrika handelt. Auch Veronika Wittmann reflektiert die Bedeutung der Freiheitscharter in einem Gespräch mit Walter Sauer. Abschließend gab es Musik u.a. von Adamo Dicko.
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Fazit
Ausgehend vom Nelson-Mandela-Platz als „Eingangstor zur Seestadt“ ist ein Format entstanden, das in mehreren Stationen jedes Jahr andere Schwerpunkte setzt – von Anti-Apartheid und Menschenrechten über Rassismus, Diversität und globale Solidarität bis hin zu Themen wie Zusammenhalt und Vergangenheitsbewältigung, stets im Dialog zwischen südlichem Afrika, Wiener Diaspora und lokaler Nachbarschaft. Nachdem der im Zuge der Mandela-Tag-Aktivitäten entstandene Denkmalentwurf bei KÖR leider bisher noch keine Förderung erzielen konnte, arbeitet SADOCC weiter daran, den Nelson-Mandela-Platz durch ein Kunstwerk zu markieren, das Mandelas Werte ebenso verkörpert wie die lokale Community und Wien als Weltstadt in seiner Vielstimmigkeit zeigt – mit all den Fragen, Spannungen und Hoffnungen, die mit Erinnerung, Verantwortung und einem solidarischen Zusammenleben verbunden sind.
Ein großes Dankeschön geht an alle Kooperationspartner:innen der letzten Jahre, besonders an die Bezirkskulturförderung Donaustadt, Wien 3420, VHS Donaustadt, die die Veranstaltungen finanziell ermöglichten sowie dem Yella Yella für die solidarische Zusammenarbeit.
