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Scheitern in Usambara

Die Meyer-Baumann’sche Expedition in Ostafrika 1888

Von Barbara Köfler und Walter Sauer

erschienen in: Wiener Geschichtsblätter 53 (1998/1) 1-25.


1. Einführung

Bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte Tanzanias zum Ende des 19. Jh. taucht immer wieder der Name des Wieners Oscar Baumann auf, dessen Reisebeschreibungen und geographische wie ethnographische Beobachtungen sowohl von afrikanischer als auch von europäisch/US-amerikanischer Seite gerne zitiert und als verläßliche und objektive historische Quellen eingeschätzt werden.[1] Zeitgenossen sahen Baumanns Werke als interessante und spannend geschriebene Bücher, die auch für eine breitere Öffentlichkeit gut lesbar waren,[2] und ebenso wie heute wurde die “Präcision“ und Sachlichkeit seiner Darstellungen geschätzt[3]. Über Baumanns nationale Zugehörigkeit hingegen scheint einige Verwirrung zu herrschen, da er in den englischsprachigen Arbeiten meist unzutreffenderweise als Deutscher bezeichnet wird.[4]


2. Zur Person Oscar Baumann

Oscar Baumann wurde in Wien am 25. Juni 1864 geboren[5], als einziges Kind des Bankbeamten Heinrich und seiner Frau Josephine, geb. von Orosz, über die väterliche Linie verwandt mit den bekannten Wiener Bankiers- und Großhändlerfamilien Arnstein und Neuwall. Die Vermögensverhältnisse der Familie schienen nicht besonders gut gewesen zu sein, da Oscar Baumann mit finanzieller Unterstützung eines arnstein'schen Schulstipendiums 1883 an der Staats-Oberrealschule im III. Wiener Gemeindebezirk maturierte[6]. Baumann, ein begeisterter Bergsteiger, hielt schon während seiner Schulzeit Vorträge über seine Bergausflüge und veröffentlichte kartographische Arbeiten über Reisen nach Montenegro[7].

Als Oskar Lenz, der Generalsekretär der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien[8], 1885 die österreichisch-ungarische Kongo-Expedition vorbereitete, lud er den 21-jährigen Baumann ein, die Expedition als Topograph zu begleiten. Für Lenz schien er “in jeder Beziehung geeignet“, da er “wissenschaftlich derart vorgebildet ist, dass ich die Ueberzeugung habe, in ihm einen nützlichen Assistenten zu erhalten“[9]. Oscar Baumann, der im Rahmen der Kongo-Expedition neben seinen topographischen Aufgaben auch erfolgreich zur Anwerbung von Expeditions-Trägern eingesetzt wurde[10], erkrankte jedoch nahe Stanley Falls, am Oberlauf des Kongo, und wurde in einem Lager des zanzibarischen Großhändlers Tippu Tip (eigentlich Hamed bin Muhammad Al Murjebi)[11] zurückgelassen. Längere Zeit hielt sich Baumann in diesem Lager auf und “...erlernte dortselbst die Swahili-Sprache...“[12], was eine wichtige Voraussetzung für seine weiteren Aktivitäten in Ostafrika sein sollte. Mit einer Dissertation über die Einwohner Fernando Póos, einer Insel, die heute zu Kamerun gehört und auf der Baumann seine Rekonvaleszenz verbrachte, promovierte er 1887 in Leipzig.[13]

In Leipzig lernte er auch Hans Meyer[14] kennen, der ihn als Begleiter und Topograph für seine geplante Expedition nach Ostafrika und die Erstbesteigung des Kilimanjaro gewinnen wollte. Baumann nahm das Angebot an, einerseits weil seine Bemühungen eine andere Arbeit zu finden, fehl schlugen bzw. sich die Finanzierung eines von ihm geplanten Projektes in Westafrika nicht bewerkstelligen ließ, und andererseits, weil er mit Meyer einen Vertrag als gleichberechtigter selbständiger Partner aushandeln konnte.[15] Hans Meyer hatte bereits im Juli/August 1887 den Kilimanjaro bis etwa 5500m bestiegen, war aber durch widrige Wetterverhältnisse und schlechte Ausrüstung an einer weiteren Besteigung des knapp 6000m hohen Berges gehindert worden.[16] Die Expedition mit Baumann sollte sich, neben der Erstbesteigung des Berges, vor allem auf dessen geologische Erforschung konzentrieren. Verlauf und Scheitern dieser “Kilimanjaro-Expedition“ sind Thema der folgenden Darstellung.

Zuvor jedoch noch zu den weiteren Aktivitäten Baumanns: Nach seiner ersten Ostafrika-Reise 1888 folgte im Jahr darauf 1889/1890 eine Expedition im Auftrag der Deutsch Ostafrikanischen-Gesellschaft (DOAG)[17] zur näheren Erforschung der Region der Usambara-Berge. Baumann sollte über die wirtschaftlichen Verhältnisse wie auch über die bestmögliche Trassierung einer Eisenbahnlinie von Tanga ins Landesinnere gezielt informieren und so die wirtschaftliche Ausbeutung des Gebietes vorbereiten.[18] Zur Planung einer Verlängerung der Eisenbahnlinie bis an den Viktoria-See reiste er zwischen 1891-1893 im Auftrag des Deutschen Antisklaverei-Komitees durch Maasai-Gebiet bis nach Mwanza. Dann - nicht auftragsgemäß im Sinne des Komitees - änderte er die vorgegebene Reiseroute nach Westen ab und besuchte als erster Europäer Ruanda (hier lokalisierte er eine der Nilquellen) und gelangte über den Norden Burundis und die zentrale Karawanenstraße, die vom Tanganyika-See bis Bagamoyo führte, wieder zurück an die ostafrikanische Küste. Im Auftrag des Vereins für Erdkunde in Leipzig erforschte und kartierte er dann ab dem Jahre 1895 den Zanzibar-Archipel: die Inseln Zanzibar, Pemba und Mafia[19]. 1896 wurde Oscar Baumann zum österreichisch-ungarischen Honorarkonsul in Zanzibar ernannt. Er starb jedoch bereits am 12. Oktober 1899 in Folge einer schweren Erkrankung in Wien.


3. Pangani und sein Hinterland

Die zunehmende arabische und europäische Nachfrage nach Elfenbein, Gewürzen, Rohstoffen (wie Kopal oder Gummi) und Sklaven, tatkräftig unterstützt durch die Wirtschaftspolitik der aus dem Oman stammenden zanzibarischen Sultane, hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zu einer Belebung des Handels und dadurch zu einem Wirtschaftsboom entlang der gesamten ostafrikanischen Küste geführt. Auf dem Festlandgebiet des heutigen Tanzania führten drei bedeutende Handelsstraßen von der Küste ins Landesinnere; die nördlichste davon, die oft auch als “Maasai-Straße“ bezeichnet wurde und die Meyer und Baumann auf der geplanten Expedition benutzen wollten, verband die Küstenstädte Tanga und Pangani und verlief dann durch die Bondei-Hügel nach Mazinde (am Fuße des Usambara-Gebirges) und weiter über Gonja (am Fuße des Pare-Gebirges) und Moshi (am Fuße des Kilimanjaro) bis nach Mwanza (am Viktoria-See).

Die Küstenstadt Pangani, im nördlichen Teil des heutigen Tanzania gelegen, hatte im Laufe des 19. Jh. als Ausgangs- bzw. Endpunkt der nördlichen Karawanenstraße große Bedeutung gewonnen. Berge von Elfenbein aus dem Landesinneren, von Jägern wie den Maasai oder Kamba im Rift Valley und Pare-Gebiet erjagt, wurden vom Hafen Pangani entweder direkt oder über Zanzibar nach Europa und Nordamerika verschifft.[20] Der wirtschaftliche Aufschwung durch den Hafen, die Zuckerrohr-Plantagen außerhalb der Stadt, Handel und Gewerbe brachten Reichtum und Wohlstand. Dominiert wurde die Stadt von alteingesessen Swahili-sprechenden Familien - den Shirazis[21] -, daneben war eine breite Schicht von indischen Kaufleuten, arabischen Händlern, Zoll- und Verwaltungsbeamten aus Zanzibar u.a. präsent. Aber auch für Bauern und Bewohner aus der Umgebung und dem Hinterland war die Küstenstadt nicht nur als Handelsplatz attraktiv, welche somit in den 1880er Jahren den Charakter eines wirtschaftlich prosperierenden, multikulturellen Zentrums angenommen hatte.

Politisch war Pangani durch unterschiedliche, miteinander teilweise konkurrierende Systeme geprägt: einerseits bestanden die gesamte Küste entlang und bis weit ins Hinterland traditionelle Swahili-Strukturen, in deren Rahmen die Shirazis einflußreiche lokale Positionen wie die des jumbe[22] besetzten. Überlagert wurde dieses System jedoch zumindest in den wichtigen Handelszentren durch die Institutionen des zanzibarischen Staates, verkörpert durch vom Sultan ernannte Staatsbeamte wie beispielsweise des liwali[23]. Gerade in Pangani und Umgebung hatten die majumbe große Autorität auf kulturellem und politischem Gebiet; der von Zanzibar entsandte liwali jedoch hatte in wirtschaftlichen Belangen Einfluß und wurde erst gegen Ende des von den majumbe unterstützen Aufstandes zwischen 1888-1890 auch auf politischem Gebiet Ansprechpartner für die deutsche Kolonialverwaltung.

Von Pangani aus verlief die stark frequentierte Handelsroute südwestlich der Usambara-Berge in Richtung Kilimanjaro. Etwa 100.000 Menschen lebten um 1880 in dem Gebiet[24], zumeist Ackerbauern, die die fruchtbare Region intensiv landwirtschaftlich nutzten. Angebaut wurden neben Bananen und Mais auch Süßkartoffeln, Maniok, Yams, Sorghum, Bohnen etc. Steven Feierman zeichnet in seiner auf oralen Traditionen basierenden Studie, das Bild eines sehr komplexen landwirtschaftlichen Systems, in dem der Shambaa-Bauer Dutzende Pflanzen kultivierte, wobei Nahrungsmittel-, Heilpflanzen, Pflanzen für die Hygiene usw. in mehreren Zyklen angebaut wurden. Auch wenn man der von europäischer Seite gern betriebenen tribalistischen Aufsplitterung der einheimischen Bevölkerung nicht folgt[25], zog der eigenständige ökologische Charakter des Usambara-Gebiets doch eine im Vergleich zu den Nachbarvölkern relativ eigenständige kulturelle und politische Identität der Shambaa (von Feierman vielleicht überspitzt als “botanische Identität“[26] definiert) nach sich.

Sozial gliederten sich die Shambaa in Lineages (Verwandtschaftgruppen[27]), die einander durch Heiraten, Blutsbrüderschaften, wechselseitige ökonomische Abhängigkeiten oder Schuldverschreibungen verpflichtet waren. Innerhalb der Familie war der Vater die hervorragende Autorität, Besitz und Status wurden in der männlichen Linie vererbt. Einer traditionellen Rollenverteilung zufolge betrieben Frauen hauptsächlich Landwirtschaft und Männer Viehzucht (v.a. Rinder, Ziegen, wenige Schafe). Spezialisierte gesellschaftliche Leistungen (wie z.B. von rituellen oder militärischen Experten) wurden mit Vieh oder Arbeitskraft abgegolten. In überregionale Handelskreisläufe war Shambaa zunächst nur peripher einbezogen; erst im späten 19. Jh. wurden (vorwiegend über Mazinde) Handelsgüter wie Elfenbein, Stoffe, Kleider, Gewehre und Munition zunehmend gegen Vieh eingetauscht und erhielten wichtige Funktionen sowohl im praktischen Leben als auch als Statussymbole.[28]

Komplexe politische wie soziale Institutionen (abhängig davon z.B. Ältestenrat, Rechtsprechung, Steuerabgaben, Schuldabhängigkeiten) basierten einerseits auf den Lineage-Strukturen, andererseits finden sich jedoch auch Ansätze einer zentralen Verwaltung durch einen König. Nach Auskunft oraler Traditionen hatte sich bereits im 18. Jh. ein Königreich gebildet - Anfänge einer zentralisierten Staatlichkeit auf frühfeudaler Grundlage. Dominiert wurde das Königreich von den Kilindi, einer die Hauptstadt Vugha kontrollierenden Lineage, welcher es teils durch militärische Aktionen, teils durch das geschickte Ausnutzen ökologischer und mythologischer Kenntnisse bzw. Fähigkeiten gelungen war, seine Autorität auch in den anderen Siedlungen der Usambara-Region durchzusetzen.[29]

Dieses komplexe System von Abhängigkeiten geriet jedoch um 1862 durch den Tod König Kimweri ye Nyumbani aus der Balance. Der eigentliche Haupterbe der Königswürde, Mnkande, war schon verstorben, sein Sohn wurde von den Brüdern des Mnkande nicht anerkannt. Vor allem erhob Semboja, einer der Söhne Kimweris, allerdings aus einem eher untergeordneten Familienzweig, Ansprüche auf die Königswürde. Unter theoretischer Oberhoheit des Sultans von Zanzibar kontrollierte er von Mazinde aus die Karawanenstraße und damit auch den Fernhandel von Usambara: „Das Dorf besteht erst seit etwa dreissig Jahren und wurde von Semboja nur angelegt, um Durchgangszoll von den Karawanen erheben zu können. In Hinsicht auf diesen Zweck muss die Anlage allerdings eine meisterhafte genannt werden, da es Karawanen, welche sich überhaupt auf dieser Strasse bewegen, nahezu unmöglich ist, den Ort zu umgehen.“[30] Semboja wird in den Oraltraditionen nicht nur als gewalttätiger und ehrgeiziger Politiker beschrieben, sondern auch mit dem zunehmenden Sklavenhandel zwischen Usambara und den Küstenregionen in Verbindung gebracht. In den zum Teil kriegerisch ausgetragenen Konflikten um die Königsnachfolge schlug sich die deutsche Verwaltung 1890 auf die Seite Sembojas, was von Baumann und Meyer heftig kritisiert wurde.[31]

Der fortschreitenden Desintegration dieser traditionalen agrarischen Gesellschaft und der wachsenden Bedeutung des von den Shirazis bzw. dem Sultan von Zanzibar kontrollierten Fernhandels standen auf der anderen Seite zunehmende Kolonialinteressen europäischer Großmächte gegenüber. Im April 1885 hatten Großbritannien und das Deutsche Reich erstmals einen Vertrag über die Abgrenzung der jeweiligen "Aktionsgebiete" in Ostafrika abgeschlossen; dieser (wie auch mehrere weitere, detailliertere Abkommen bis 1893) hatte im wesentlichen deutsche Anerkennung für eine britische Einflußzone in Zanzibar, Kenya und Uganda gebracht; im Gegenzug hatte London den kaiserlichen Schutzbrief für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG) vom Februar 1885 über die vom Abenteurer Carl Peters mit zweifelhaften Methoden erworbenen “Besitzungen“ faktisch akzeptiert.[32] Aufgrund dieser Garantien und den Wind einer erwachenden Kolonialbegeisterung in weiten Kreisen der deutschen Öffentlichkeit im Rücken gründete die DOAG in Ostafrika verschiedene Niederlassungen im Landesinneren wie an der Küste und versuchte Handelsstützpunkte zu errichten, die als Konkurrenz zu den seit Jahrzehnten gewachsenen arabisch/zanzibarischen Niederlassungen gedacht waren. Unter massivem politischem Druck Englands und Deutschlands stimmte Sultan Khalifa bin Said (reg. 1888-1890) von Zanzibar schließlich im April 1888 dem Abschluß eines Pacht- und Konzessionsvertrages mit der DOAG zu, der dieser die Ausübung landesherrlicher Rechte an der tanzanischen Küste im Rahmen der Souveränität Zanzibars, unter seiner Flagge und im Namen des Sultans zugestand; weiters gewährte der Vertrag der DOAG Steuer-und Zollhoheit sowie das uneingeschränkte Verfügungsrecht über Grund und Boden.[33] Wichtige Anlaufstellen für die deutschen Reichsinteressen in Ostafrika waren neben dem seit 1885 bestehenden Generalkonsulat in Zanzibar Town die Vertretungen der dort schon seit 40 Jahren ansässigen Hamburger Handelshäuser O’Swald & Co. und Hansing & Co.

Die Verwaltung im Namen des Sultans hätte  von der DOAG ab dem 15. August 1888, dem Ende des zanzibarischen Fiskaljahres, übernommen und organisiert werden sollen, stieß jedoch auf spontanen Widerstand in der Bevölkerung, weit über die Shirazi-Eliten hinaus. Die massive Unzufriedenheit, die sich die ganze Küste entlang in Städten wie Pangani, Kilwa, Bagamoyo, Dar-es-Salaam und Tanga, regte, richtete sich sowohl gegen den  Herrschaftsanspruch der deutschen Kolonialgesellschaft als auch gegen die  (mit den Kolonialmächten kollaborierende) Autorität des Sultans. Die sozialen Wurzeln des Aufstandes lagen somit in den fundamentalen inneren Widersprüchen der ostafrikanischen Küstengesellschaft[34].

Neben den stark propagandistisch gefärbten Darstellungen aus kolonialistischer Sicht[35] vermitteln auch drei von Swahilis verfaßte zeitgenössische Quellen einen interessanten Einblick in Anlaß und Motive des Aufstands: die “Petition der Aufrührer von Pangani“[36], ein Telegramm von Sultan Khalifa an Reichskanzler Bismarck[37] und das Versgedicht “Utenzi wa Vita vya Wadachi kutamalaki Mrima 1305 a.h.“ von Hamedi bin Abdallah el Buhry[38]. Den letzten Ausschlag für die Erhebung in Pangani gab demnach die Brüskierung der religiösen Gefühle der Bevölkerung durch den DOAG–Vertreter Emil von Zelewski. Auch Rudolf Fuchs[39], der seit dem Jahr 1889 als österreichisch-ungarischer Honorarkonsul in Zanzibar amtierte, berichtete retrospektiv an den Außenminister in Wien, “...daß der Beamte der deutsch ostafrikanischen Gesellschaft den Fehler beging, den Wali von Pangani in einer Moschee, welche Gebäude hierzulande von keinem Nichtmoslim betreten werden dürfen, zu verfolgen, wobei noch der unglückliche Umstand eintrat, daß die Hunde des Beamten ihm in die Moschee nachliefen - dieser ganze Vorfall wird zwar von deutscher Seite offiziell geleugnet, wurde mir aber von einem Augenzeugen - ... einem österreichischen Staatsangehörigen im Vertrauen als richtig bestätigt“.[40]

Zelewski, der außerdem noch Stiefel trug, bemerkte nicht einmal, daß er die Moschee an einem der heiligsten Tage im islamischen Kalender, am “Idd-al-Hajj“, entweihte. Dazu kamen noch weitere Provokationen wie das Hissen der Flagge im Namen der DOAG (und nicht unter der Souveränität des Sultans) oder das brutale Auftreten der DOAG-Beamten und der zu Hilfe gerufenen Marine-Soldaten des Schiffes “Carola“, die plündernd, prügelnd und vergewaltigend durch Pangani streiften.[41] Mit Waffengewalt stellten sie “Ruhe und Ordnung“ wieder her, und Zelewski ließ einen Preis auf den Kopf des liwali ausschreiben und drohte jedem Zuwiderhandelnden mit Hinrichtung oder Deportation nach Europa.[42] In einer von Zelewski verordneten Versammlung versuchte er die Bevölkerung zu zwingen, sich formell mit der Herrschaft der Deutschen abzufinden, diese seien jetzt die “Sultane“.

Inoffiziell waren weder die deutschen noch andere europäische Kolonialbehörden über das brutale Vorgehen der DOAG glücklich (die Regierung in Berlin hatte ursprünglich mit der Errichtung eines Konsulates mit handelspolitischen Zielen in Zanzibar Town begonnen und war von dem „Konquistadorenzug“ der DOAG überrascht worden.[43]) Der deutsche Konsul Michahelles und auch der österreichisch-ungarische Konsul Fuchs machten Zelewski für den Ausbruch des Aufstandes im Norden verantwortlich[44]; selbst Bismarck schimpfte in Aktenvermerken über die “Flaggen-Comödie und Flaggenschwindelei.“[45] Bereits jetzt zeichnete sich ab, daß sich die „Deutsch Ostafrikanische Gesellschaft zur selbständigen Leitung ihrer Kolonien als unfähig“[46] erweisen sollte. Die Nachrichten über die Ereignisse von Pangani sprachen sich an der Küste schnell herum[47], und  innerhalb weniger Tage wurden die meisten DOAG-Stationen erobert und ihre Agenten vertrieben. Als Truppen der deutschen Marine auch Bagamoyo bombardierten, begab sich eine Delegation von Shirazis und Großgrundbesitzern aus Pangani zum Sultan nach Zanzibar, um diesen zu Maßnahmen gegen die deutsche Intervention zu bewegen. Letztendlich konnte dieser Aufstand erst nach zwei Jahren und nur durch massives militärisches Eingreifen deutscher Regierungstruppen unter Leitung von Hermann von Wissmann niedergeworfen werden.[48]


4. Scheitern in den Usambara-Bergen

Im Juli 1888 trafen Hans Meyer und Oscar Baumann, die von Triest bis Aden und weiter nach Ostafrika gereist waren, in Zanzibar ein. Noch im Februar war es der ursprüngliche Reiseplan Meyers gewesen, die Expedition vom kenyanischen Norden her, aus Mombasa, zum Kilimanjaro zu führen.[49] Aus welchen Gründen oder in wessen Auftrag die Reiseroute geändert wurde, kann durch die vorhandenen Quellen nicht eindeutig geklärt werden. Beeinflußt wurde die Entscheidung zur Änderung der Reiseroute offensichtlich aber durch den Pachtvertrag, den die DOAG mit dem Sultan von Zanzibar im April 1888 schloß. Baumann wie Meyer gehen auf  die Änderungen ihrer Reisepläne nicht weiter ein.

Die erhaltenen archivalischen Quellen geben interessanten Einblick in die notwendigen behördlichen und organisatorischen Vorbereitungen für eine solche Expedition. Zunächst suchten die beiden Reisenden über Vermittlung des deutschen Generalkonsuls Gustav Michahelles bei Sultan Sayyid Khalifa bin Said (reg. 1888-1890) um Genehmigung zur Anwerbung von 200 Trägern (samt Ersatzträgern) an, ebenso auch um die Erlaubnis, ihre Karawane bis zum Kilimanjaro und in das Seengebiet zu führen. Wie sich daraus ergibt, konnten zum damaligen Zeitpunkt Expeditionen ins Landesinnere nicht ohne die Genehmigung des Sultans organisiert werden.[50] Zu den schon aus Europa mitgebrachten Ausrüstungsgegenständen – u.a. sollen auch zwei Dachshunde aus Thüringen mitgebracht worden sein[51] - kauften sie auf dem Festland begehrte Tauschmittel, wie Stoffe, Perlen, Hüte etc. Sie packten ihre Ausrüstungsgegenstände in Lasten zu 65-70 Pfund, was in etwa das Gewicht war, das ein Karawanen-Träger schleppen konnte. Die persönlichen Diener und Köche engagierten sie selbst, die 200 Träger - unter denen sich auch 30 Soldaten zur Begleitung der Expedition befanden - warben sie über einen ortsansässigen Kaufmann, Sewa Hadschi, an. Dieser indische Händler vermittelte Träger für Expeditionen, ein Geschäft, daß sich offenbar bezahlt machte, da Zanzibar ein bekannter Ausgangsort für Forschungsexpeditionen und Handelskarawanen war.[52] Am 22. August segelten die beiden Reisenden mit einer arabischen Dhau von Zanzibar aus nach Pangani.

Nur beiläufig geht Baumann auf die kurz zuvor erfolgte gewaltsame Etablierung der Herrschaft der DOAG in Pangani ein, wobei seine Darstellung offenbar die (Fehl-) Einschätzung der politischen Lage durch der DOAG nahestehende Kreisen widerspiegelt: “Die Uebernahme der Verwaltung durch die Ostafrikanische Gesellschaft hatte stattgefunden und gerade in Pangani war die Flaggenhissung mit Unruhen verbunden gewesen. Doch schienen die letzteren so unbedeutend und wurden durch die Kriegsschiffe so rasch niedergeschlagen, dass wir keinen Grund sahen deshalb den Antritt unserer Reise aufzuschieben.“[53]

Unbekümmert also reiste die Karawane von Pangani aus ins Hinterland in Richtung Mazinde und Gonja. Meyer und Baumann beschlossen jedoch am 30. August in Lewa, einer deutschen Tabakplantage in den Bondei-Hügeln – möglicherweise angeregt durch Gespräche mit ihren Landsleuten -, sich von der Karawane zu trennen und mit 50 Trägern und 10 Soldaten „eine Tour durch das grossentheils noch unerforschte Usambara-Gebirge zu unternehmen.“ Geplant war, die übrige Trägergruppe in Gonja, einem am Fuße des Pare-Gebirges liegenden und über die Karawanenroute leicht erreichbaren Ort, wieder zu treffen.[54]

Die kommenden Wochen bewegte sich die verkleinerte Karawane im nordöstlichen Teil Usambaras, besuchte die Kilindi-Residenz in Vugha und widmete sich kartographischen und photographischen Aufnahmen.

Nach diesem Abstecher, den sie als vollkommen ruhig beschrieben, trafen Meyer und Baumann am 22. September mit der Erwartung in Gonja ein, die Hauptkarawane dort wieder vorzufinden. Überrascht mußten sie jedoch zur Kenntnis nehmen, daß die Träger samt den Expeditionsgütern nach Mazinde, der Residenz von Semboja, zurückgekehrt waren, und daß sie angeblich ein Brief des Sultans dorthin beordert hatte. Die beiden Reisenden zweifelten jedoch an der Existenz eines solchen Briefes und damit an den politischen Hintergründen des unangenehmen Vorfalls - sie vermuteten eher eine Massen–Desertion - und hofften, ihre Expedition ins Landesinnere durch eine Rückkehr an die Küste und das Engagement neuer Träger retten zu können. “Davon, dass ein heftiger Aufstand ausgebrochen war, der unsere Pläne endgiltig durchkreuzen sollte, hatten wir natürlich keine Ahnung.“[55] Auf dem Marsch nach Mazinde desertierten allerdings weitere Träger und alle Soldaten, letztere samt den aus Europa mitgebrachten und in Ostafrika als Tausch- und Prestigemittel begehrten Waffen.[56]

In der Zwischenzeit hatte, wie erwähnt, der Aufstand gegen die deutsche Besetzung in der Tat mit voller Wucht eingesetzt. In Europa war man sich angesichts dieser Entwicklung der Unmöglichkeit einer Weiterführung der Meyer'schen Expedition bewußt. Schon am 21. September (einen Tag, bevor sich Meyer und Baumann in Gonja wieder mit der Hauptkarawane hätten vereinigen sollen), war in der Morgenausgabe des Berliner Tagblattes eine kurze Notiz erschienen: “Der (Londoner, Anm.d.A.) Times sei am gestrigen Tage aus Zanzibar telegraphiert worden, daß die Usambara-Häuptlinge unter Anführung Simbojas in Revolte gegen die Ostafrikanische Kompagnie begriffen seien“ und “Die Karawane des Dr. Meyer wurde von Simboja zersprengt, und die Träger desertierten. Dr. Meyer ist nach der Küste zurückgekehrt“ (offenbar wußte man in Zanzibar nicht, daß sich Meyer und Baumann von der Karawane getrennt hatten.)[57] Meyer und Baumann selbst vertraten in einem Brief an „Petermanns Mitteilungen“, datiert aus Mazinde vom 28. September 1888, eine ähnliche Ansicht: “Es ist zweifellos, dass dieser Vorgang, der unsere wissenschaftliche Expedition aufs schwerste schädigt, mit den Unruhen zusammenhängt, welche die Besitzergreifung des Küstenlandes durch die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft hervorgerufen hat.“ [58]

Spätestens im Verlauf ihrer Audienz bei Semboja am 27. September scheinen Meyer und Baumann die politischen Hintergründe ihrer im Scheitern begriffenen Kilimanjaro-Expedition klar geworden zu sein. Semboja rechtfertigte die Rückberufung der Karawane in erster Linie mit dem Hinweis auf einen Befehl des liwali von Pangani, d.h. in erster Linie mit politischen Erwägungen.

"Wir kamen dann mit unserer politischen Weisheit und erklärten ihm, dass sein Land durch den Vertrag, den er selbst mit der deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft geschlossen, deutsches Schutzgebiet geworden sei und dass kein Vali und kein Sultan das Recht habe, unseren Leuten das Fortlaufen zu befehlen. Auch erinnerten wir ihn daran, dass ja das ganze Küstengebiet gegenwärtig unter deutscher Verwaltung stehe. Da lachte uns Sembodja einfach ins Gesicht und bat uns sehr unumwunden, ihn mit solchem Unsinn in Ruhe zu lassen, er kenne keine wasungu (Europäer) und wadatschi (Deutsche), sondern nur den Sultan und die Araber, die seit jeher die Herren des Landes gewesen. Wir verstanden diese Reden umsoweniger, als wir von den unglaublichen Erfolgen, welche die Aufständischen an der Küste täglich errangen, eben keine Ahnung hatten ...“[59]

Allerdings schien ein schriftlicher Befehl des Sultans bzw. seines liwali nicht zu existieren: “Als wir nach einem Briefe des Sultans von Sansibar fragten, erklärte er erst, keinen solchen zu haben, und später, ihn nicht herzeigen zu wollen.[60] Offensichtlich war es den Aufständischen von Pangani - als Autor des angeblichen Sultansbriefes sollte sich später Bushiri bin Salim bezeichnen[61] - somit gelungen, die Weiterreise der Karawane ins Landesinnere zu verhindern. Meyer und Baumann saßen zumindest vorerst in Mazinde, laut Baumann, einem „schmutzigen, verwahrlosten Dorf von ca. 100 Hütten“[62] fest; zwar fanden sich hier „wohlbehalten“ alle Traglasten der Karawane, deren Träger angeblich zersprengt worden und zur Küste geflüchtet waren,[63] doch war an ein Verlassen des Dorfes ohne die Anheuerung neuer Träger - mit Zustimmung Sembojas - kaum zu denken. Entgegen allen Erwartungen (und wohl mit materiellen Gegenleistungen) gelang es den beiden Reisenden, Semboja zur Billigung einer Wiederaufnahme der Expedition in die Usambara-Berge zu bewegen; selbst zwölf Träger stellte ihnen der Kilindi-Fürst “zum Glück“ zur Verfügung - was er wohl nicht getan hätte, wenn es ihm wirklich nur um eine Unterstützung des Aufstands und nicht auch um die Einhebung von Wegzoll beim Eintritt ins Usambara-Gebirge sowie die Betonung seiner politischen Autorität gegangen wäre.

Wie Baumann selbst bemerkt, wurde die Entscheidung zur Wiederaufnahme der Usambara-Expedition von den ihnen “verbliebenen Getreuen“ angesichts der unsicheren politischen Lage “erstaunt“ aufgenommen; letztendlich trennten sich diese auch von der Karawane.[64] Daß Meyer und Baumann ihre Situation dennoch optimistisch sahen, geht nicht zuletzt aus dem schon erwähnten, einen Tag nach der Audienz verfaßten Brief an "Petermanns Mitteilungen" hervor; dort wird dezidiert von ihrer Absicht gesprochen, “mit Leuten Sembodjas abermals ins Gebirge zu ziehen, um den Anschluss an unsere frühere Route zu erreichen. Dann wollen wir mit eingeborenen Trägern nach der Küste und nach Sansibar zurückkehren.“[65] Baumann gibt in erster Linie wissenschaftliche Motive - die “Pflicht, ... wenigstens eine Karte von Usambara“ anzufertigen[66] - für dieses gewagte Unternehmen an; seine mehrmalige Betonung, er und Meyer hätten keine Ahnung vom Aufstand an der Küste gehabt, klingt freilich nicht sehr wahrscheinlich. Schon während ihres Aufenthaltes in Pangani Ende August müssen die beiden etwas von der Unruhe, die die Stadt erfaßt hatte, wahrgenommen haben, und spätestens jetzt, Ende September im nur wenige Tagereisen von Pangani entfernt gelegenen Mazinde, hätten sie sich über die politische Situation informieren können (Baumann stellt noch ausdrücklich fest, daß fast alle Bewohner Mazindes das an der Küste übliche Swahili sprachen[67], welches beide Reisenden zur Genüge beherrschten). Wie auch immer dem freilich gewesen sein mag: Meyer und Baumann schätzten ihre Vereinbarung mit Semboja als genügend tragfähig (und dessen Position gegenüber den politischen Entwicklungen in der Umgebung als genügend gefestigt) ein, um einen neuerlichen Aufbruch ins Usambara-Gebirge unternehmen zu können.

Semboja wird als geviefter Diplomat beschrieben[68], der stets auf seinen Vorteil bedacht war und seine Macht (in den Usambara-Bergen) nach allen Richtungen, aber ohne sich im komplizierten taktischen Spiel zwischen Shirazis, dem Sultan und den Kolonialmächten einseitig festzulegen, zu behaupten und zu erweitern versuchte.  Für ihn war es infolge der Erbfolgestreitigkeiten unter den Kilindi in erster Linie wichtig, den Zugang in die Bergregion zu kontrollieren. Was den Aufstand an der Küste betrifft, spricht der erzwungene Abbruch der Kilimanjaro-Expedition für eine zumindest fallweise Kooperation zwischen Semboja und den Aufständischen an der Küste. Auf der anderen Seite jedoch lassen orale Traditionen eine durchaus eigenständige Haltung Sembojas erkennen: als sich sein Sohn Kimueri am Aufstand beteiligen wollte, soll er ihn mit Verwies auf einen Traum gewarnt haben: Widerstand sei zwecklos, würden sie einen Deutschen töten, kämen andere nach[69]. In der Tat desertierten aufstandswillige Soldaten aus Mazinde aus den Reihen Sembojas und schlossen sich dem charismatischen Bushiri bin Salim an.[70] Deutsche Berichte wiederum heben die Konkurrenz zwischen Semboja und Bushiri um die Kontrolle über die Küstenstädte Pangani oder Tanga hervor: “Der Mann ist ebenso herrschsüchtig und ehrgeizig, als verschlagen und habsüchtig... Die Macht Buschiris ist ihm sicher ein Dorn im Auge und er haßt ihn sicher mehr als uns.“[71] 

Am 30. September brachen Meyer und Baumann mit zwölf Leuten aus dem Gefolge Sembojas auf. Zwei Tagesreisen von Mazinde entfernt trafen drei Träger der längst aufgelösten Hauptkarawane in ihrem Lager ein. Sewa Hadschi, der indische Händler und Trägervermittler in Zanzibar, hatte sie mit einem Brief eines Consulatsbeamten nachgeschickt. Baumann beklagte sich nachträglich über diesen Brief: “Wäre dieser Brief klar und vernünftig gehalten gewesen, so hätte er uns wohl schweres Unheil für später erspart, leider erging er sich aber nur in allgemeinen Redensarten und enthielt nichts Thatsächliches über die Lage an der Küste.“[72] So marschierten Meyer und Baumann weiter. Doch wiederum einige Tage später erschien ein Abgesandter Sembojas, der alle Träger nach Mazinde zurückbeorderte. Immer noch versuchten die beiden Forscher hartnäckig an ihrem Plan, der Kartierung Usambaras, festzuhalten: Meyer zog möglichst langsam Richtung Mazinde, und Baumann ging vermessend und kartierend weiter.

Kurz darauf traf er in Mazinde wieder mit Meyer zusammen. Für den Wiener Geographen waren die folgenden Tage in Mazinde “die peinlichsten“, die er “in Afrika mitgemacht habe“[73]. Tagelang wurden die beiden von Semboja teils durch Versprechungen, neuerlich Träger zu besorgen, hingehalten, teils direkt festgehalten. Für Meyer und Baumann war offensichtlich, daß Semboja “Schlimmes plante. Er verweigerte uns rundweg seine Leute und wurde so begehrlich nach Allem, was er an und bei uns sah ...“[74] Trotzdem war es ihnen noch möglich, mit der Außenwelt brieflich Kontakt aufzunehmen. Baumann wandte sich an den zu dieser Zeit provisorisch amtierenden Vertreter Österreich-Ungarns in Zanzibar, Albrecht O‘Swald[75]. Dieser berichtete am 22. Oktober 1888 an das Außenministerium in Wien: “...Von dem Africaforscher Dr. O. Baumann erhielt ich Briefe aus Masinde in Usambara, wo derselbe leider mit Dr. Meyer von dem dortigen Häuptling Sembodja und nachdem sämmtliche Träger der Carawane weggelaufen waren, wie es hieß auf Anstiften des Gouverneurs von Pangani, ganz in der Gewalt Sembodja waren. Dr. Baumann wandte sich um Intervention bei Sr. Hoheit an mich und gewährte mir Sr Hoheit sofort einen Brief an Sembodja in welchem derselbe aufgefordert wurde keine Schwierigkeiten zu machen. Sr. Hoheit ließ  aber sehr correcter Weise darauf hinweisen, daß Usambara nicht mehr in seinem Gebiet sondern in den von der Deutsch Ost Afrikanischen Gesellschaft gelegenen Schutzgebieten läge.“[76]

Einen ähnlichen Brief wie Baumann scheint auch Hans Meyer an den deutschen Generalkonsul in Zanzibar verfaßt zu haben. Das deutsche Konsulat entwarf ein Schreiben an Sultan Khalifa, in dem dieser aufgefordert wurde, den liwali von Pangani schriftlich anzuweisen, Dr. Meyer - der sich auf der Rückreise von Masinde nach Pangani befände - jedmögliche Unterstützung zu gewähren.[77] Während diese diplomatischen Interventionen noch liefen, hatten sich Semboja und Bushiri jedoch bereits über das weitere Schicksal der beiden Europäer geeinigt. Am 9. Oktober ließ Semboja die beiden mit sieben Mann und fünf Eseln in Richtung Pangani ziehen, wobei die für eineinhalb Jahre sorgfältig gewählte Expeditions-Ausrüstung in seinem Besitz verbleiben mußte: Zelte, Feldbetten, Badewannen, Waffen, Munition, die photographischen Apparate und bereits angefertigten Photos, die gesammelten Ethnographica und die meisten Privatkoffer. Spätere Besucher in Sembojas Residenz in Mazinde beschrieben diese Überbleibsel aus den Expeditionsgütern der beiden Forscher: “Sultan Sembodjas room was like a used furniture shop. There were plates, cloths, silver, writing desks, chairs. The most surprising thing was the presence of several issues of Petermanns Mittheilungen. The Missionary asked whether Sembodja subscribed to this excellent geographical journal. ‚Ah‘, he said casually, ‚its a souvenir of Hans Meyer‘.“[78] In einem nach der Niederwerfung des Aufstandes verfaßten Bericht eine weitere Beschreibung: “Als Herr Major von Wißmann mit seiner ganzen Expedition in Masinde beim Sultan Simbodja ankam, trat ihm dieser in einem Schlafanzuge und Tropenhelm entgegen, in welchem der Name des Dr. Hans Meyer eingestickt war. Sein Sohn Kimueri erschien im schwarzen Frack, in Beinkleidern und Handschuhen des Dr. Hans Meyer...“[79]

Handel wurde mit zwei Arten von Gütern betrieben, die gerade zum Ende des 19. Jh. intensiv miteinander verknüpft waren: einerseits mit Subsistenz-Gütern wie landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Korn, Tabak), Salz, Eisen und andererseits mit Luxusgütern wie Elfenbein, Gewehren, importierten Stoffen etc. Handel mit Luxusgütern wurde vor allem von mächtigen chiefs, arabischen und Swahili-Unternehmern dominiert[80]; Semboja war einer davon - wobei Kleider und Stoffe als Symbole der Macht eine wichtige ideologische Rolle spielten.

Erst nach dem Tode Sembojas im März 1895 erhielt Meyer einige seiner Notizbücher, technische Geräte und Waffen zurück; den Großteil der noch vorhandenen Stoffe, Perlen etc. überließ er der deutschen Station Mazinde zum Tausch.[81]


5. Gefangene und Gäste Bushiris


Zusammentreffen mit BushiriAm 9. Oktober zogen Hans Meyer und Oscar Baumann, wie erwähnt, in Richtung Küste weiter. Nahe Pangani trafen sie auf eine Gruppe von etwa 50 “verdächtigen“ Schwerbewaffneten.[82] Diese trugen Uniformen, die Baumann als von Europäern gestohlen wertete, verhielten sich im übrigen jedoch freundlich und versorgten sie mit Früchten, die sie von den Feldern nahmen. Von diesen Männern erfuhren sie angeblich erstmals Näheres über die Zustände an der Küste, z.B. daß alle Europäer Tanga, Pangani und die übrigen DOAG-Stationen verlassen hätten: “Wir mussten nun allerdings ganz aussergewöhnliche Vorgänge ... vermuthen, ... Denn wie konnten wir denken, dass es einem Haufen aufständischer Araber und Neger gelingen konnte, angesichts der deutschen Flotte, Deutsche einfach aus dem Lande fortzujagen!“[83]

Baumann selbst war der Meinung, es mit einer Räuberbande zu tun zu haben, und ergriff mit Erfolg ausgeklügelte Maßnahmen, um seine Aufzeichnungen vor Diebstahl zu retten.[84] In Wirklichkeit war es jedoch die Aufgabe der Truppe, Meyer und Baumann der Gewalt Bushiris zu übergeben, wobei über die Art ihrer Gefangennahme bzw. Behandlung offensichtlich verschiedene Meinungen herrschten. Etwa zwei Wegstunden vor Pangani zwangen die scheinbaren Räuber die beiden Reisenden, ihnen nach Mundo (wohl das heutige Bushiri), dem Landgut Bushiri bin Salims, zu folgen. Sie begleiteten sie in ein Haus, in dem ein freundliches Ehepaar sie zunächst mit Abendessen versorgte. Kurz nach Sonnenuntergang wurden sie jedoch trotz heftiger Gegenwehr niedergeschlagen, mit Stricken gefesselt und mit Hals- und Fußeisen versehen in eine bewachte Hütte befördert. In der folgenden Nacht wurden sie von einigen Frauen verspottet: “Sie sagten, nun brauchten sie nicht mehr Wasser zu tragen und Holz zu hacken, dies sei unser Geschäft ....“[85] Die Fesselung nach Sklavenart und die Ankündigung, in Hinkunft Sklavenarbeiten verrichten zu müssen, war wohl ebenso Teil einer psychologischen Strategie Bushiris wie die bewußte Nachahmung europäischer Bestrafungsformen. Als Baumann ein Jahr später in das ostafrikanische Küstengebiet zurückkehrte, zeichnete er ein Lied auf, das die Art ihrer Gefangennahme besang: „Die Panganileute sind wahrlich frech, / Sie sperren den Nyundo ins Zimmer, / Sie schliessen in Fusseisen den Doctor Meyer, / In der That eine europäische Sitte.“[86]

Untertags wurden sie von vielen Leuten aus der Umgebung besucht, die sie anstaunten. Meyer und Baumann war das nicht unangenehm, weil sie offenbar hofften, daß sich die Nachricht ihrer Gefangennahme bald herumsprechen werde. In der zweiten Nacht auf dem Landgut sahen sie sich plötzlich Bushiri selbst gegenüber. Sie forderten ihn auf, ihre Ketten zu lösen, erhielten aber nur ein “Insha‘allah“ zur Antwort. Nach Bushiris Weggang blieb einer seiner Gefolgsleute namens Abd-el-Kerim, angeblich sein Vertrauter und Schatzmeister, zurück, der von ihnen ein Lösegeld von 10.000 Rupien bei ansonstiger Hinrichtung forderte. Baumann bemerkt dazu lapidar, daß angesichts der Summen, die südeuropäische Räuber verlangten, die Zahlung nicht allzu hoch war, “...und Dr. Meyer zögerte unter den gegebenen Umständen nicht, auf diese Bedingung einzugehen.“[87] Tinte, Papier und Feder wurden gebracht, und Hans Meyer stellte jene Anweisung über 10.000 Rupien auf die Firma Hansing & Co in Zanzibar, zahlbar an Abdallah bin Abd-el-Kerim, den Sohn ihres Verhandlungspartners, aus, welche heute im Tanzanischen Nationalmuseum in Dar es Salaam aufbewahrt wird: “Herrn Hansing & Co., Zanzibar. In schwerer Lage bitte ich Sie, an Abdallah ben Abd el Kherim zehntausend Rupies zu zahlen. Wir (Baumann u. ich) liegen bei Pangani in einer Schamba Buschiris in Ketten und warten sehnlich auf Befreiung. Grösste Eile nöthig, da wir elend misshandelt werden. gez. Dr. Hans Meyer.[88]

Nach Unterzeichnung dieser Anweisung kehrte Bushiri zurück. Die beiden wurden von ihren Ketten erlöst und nun, da keine pekuniären Angelegenheiten mehr ihre Kommunikation belasteten, reichte Bushiri ihnen die Hand und bat sie das Vorgefallene mit den Kriegsverhältnissen und seiner Feindschaft gegen die Deutschen zu entschuldigen; auch empfing er sie mit orientalischer Höflichkeit als seine Gäste.

Meyer und Baumann waren nicht nur dadurch, sondern vor allem von der persönlichen Ausstrahlung Bushiris beeindruckt. Zu einem längeren Gespräch, bei dem Bushiri in “fliessendem, sehr deutlichen Suahili“ sprach, empfing sie der Führer des Aufstands nur mit einem Lendenschurz bekleidet, selbst den kahl rasierten Schädel entblößt - ein merklicher Kontrast zur Gier des Semboja nach europäischen Statussymbolen -, und dennoch, so betont Baumann, “...konnte man sich ihm gegenüber eines Gefühles der Achtung und der Ueberzeugung nicht entschlagen, mit einer über das Mittelmass hinausragenden Persönlichkeit, mit einem zielbewussten, energischen Mann zu thun zu haben“.[89]

Baumann war nicht der einzige, der Bushiri bin Salim als charismatische Persönlichkeit beschrieb. Viele Europäer, die mit ihm in Kontakt kamen, äußerten sich ähnlich über seine positive Ausstrahlung: der französische Bischof de Courmont, Leiter einer Missionsstation in Bagamoyo, zum Beispiel bezeichnete ihn als “Ehrenmann, der niemals sein Wort gebrochen hat.“[90] - Über Bushiris Biographie ist nicht allzuviel bekannt, er wurde in Ostafrika in den 1830er Jahren geboren, sein Vater war wahrscheinlich Mitglied des al-Harthi-Clans, seine Mutter wahrscheinlich eine afrikanische Sklavin[91]. Als junger Mann bereiste er die Karawanenstraßen, wobei die Allianzen, die er während dieser Zeit im Landesinneren schloß, während seines Kampfes gegen die Deutschen von Vorteil waren. Bushiri verstand es geschickt, zwischen den drei in Pangani vorhanden aufständischen Parteien zu vermitteln: der Partei jener arabischen Pflanzer, die mit den Deutschen kooperieren wollten, der Partei der alteingesessenen Grundbesitzer und Shirazis, die den Sultan von Zanzibar zwar weiter anerkennen wollten, aber zu ihren Bedingungen (Bushiri war eher hierzu zu zählen) und der großen Masse der eigentlich kämpfenden Unterschichten (Bauern, Handwerker, Sklaven, entlaufene Sklaven, Händler, Krieger, Träger-Personal, etc. aus allen Teilen des Landes), die sich aber radikal sowohl gegen die Sultans- wie auch die Herrschaft der Deutschen stellten und im Prinzip keinen Führer auf Dauer anerkannten; sie folgten einmal ihrem jumbe, ein anderes Mal Bushiri bin Salim.[92]

Trotz ihrer stark subjektiven Färbung und der von Bushiri sicherlich beabsichtigten propagandistischen Intention muß Baumanns Schilderung des Gesprächs mit dem bis heute legendären Anführer des ersten großen Aufstands an der Swahili-Küste als eine wichtige Quelle gewertet werden. Bushiri stellte Meyer und Baumann ausführlich den bisherigen Kriegsverlauf dar (so die Gefangennahme Zelewskis am 4. September[93] oder die offene Zurückweisung des zanzibarischen Gesandten Mathews[94]) und brachte seine Gegnerschaft zum zanzibarischen Sultan ganz offen zum Ausdruck: “Was kümmert mich der Sultan, ich hasse ihn und habe seine Stadt Sansibar seit 20 Jahren nicht betreten, da man mich dort sofort köpfen würde. Jetzt erkenne ich ihn noch weniger an, da er sich nicht schämt, unser Land an Fremde zu verkaufen“.[95] Gegenüber dem deutschen Kolonialismus gab sich Bushiri hingegen differenziert: “Würden diese Wenigen (Deutschen) mit Freundlichkeit gekommen sein, sich auf den Zolldienst beschränkt und Alles aufgeboten haben, um uns, die herrschende Partei der Araber, zu gewinnen, so sässen sie wohl heute noch ruhig in den Küstenstädten“. Doch diese Leute “benahmen sich ... völlig rücksichtslos, rissen Flaggen herab und hissten andere auf, gaben uns Befehle und Vorschriften, und benahmen sich überhaupt, wie wenn sie die Herren des Landes und wir Alle ihre Sklaven seien. Wir sahen der Sache eine Weile zu, dann jagten wir die Weissen einfach fort, wie man übermüthige Jungen fortjagt. ...“[96]

Nach ihrer Unterredung lud Bushiri Meyer und Baumann zu einem opulenten Mahl ein, bei dem er versprach, Baumanns verloren gegangene Aufzeichnungen ausfindig zu machen.[97] Anschliessend begleitete er sie nach Pangani, von wo aus die beiden gescheiterten Forscher nach Zanzibar zurückkehren wollten. Pangani hatte sich seit dem Beginn der Reise sehr verändert: “Die Stadt, bei unserer letzten Anwesenheit öde und leer, bot jetzt ein Bild wilden, bewegten Lebens. Phantastisch gekleidete Araber und Neger, in Waffen starrend, tauchten überall auf, aus allen Läden blitzten Gewehre und Schwerter, und mit lautem Kriegsgesange und krachenden Flintenschüssen zogen aufständische Banden durch die engen Strassen ...“[98] Wohl wollte man den beiden Europäern an den Kragen, als sie in den Straßen Panganis auftauchten, aber Bushiris bemerkenswerte Persönlichkeit an ihrer Seite hielt die erregte Menge zurück. Nach Übernachtung in einem Steingebäude Bushiris - das später das Zentrum des deutschen Forts bilden sollte[99] - begaben sich Meyer und Baumann am Vormittag des 19. Oktober 1888 auf das Sultansschiff Barawa und dampften nach einiger Wartezeit Richtung Zanzibar ab.[100]


6. Nachwirkungen

Die Ankunft der zwar kläglich zusammengeschrumpften, einer zweifachen Gefangennahme im Landesinneren jedoch entkommenen Meyer'schen Expedition in Zanzibar scheint (kaum verwunderlich) großes Aufsehen hervorgerufen zu haben. Bis ins ferne Wien verbreitete sich diese Kunde. War hier in einem Artikel von Oskar Lenz in der Neuen Freien Presse vom 20. Oktober 1888 noch die beruhigende, jedoch auf veralteten Informationen beruhende Einschätzung zu lesen gewesen, daß “nach den wenigen bisher zu uns gekommenen Depeschen“ für die Reisenden keine ernstliche Gefahr existiere[101], sprach sich nach Ankunft der beiden in Zanzibar ihre Gefangenschaft bei Bushiri rasch herum und wurde phantasievoll ausgeschmückt. Der englische Admiral Fremantle etwa schrieb an die Admiralität „They had been robbed, stripped, and subjected to every indignity, but exept that they have lost all, including their instruments and observations, they do not seem much worse.“[102] Am 23. Oktober berichtete die Neue Freie Presse, daß die “Deutschen Dr. Hanns Meyer und Baumann (sic) von ihren Trägern verlassen“ zwar glücklich in Pangani angelangt waren, dort “aber von den Schwarzen in Ketten gelegt, gepeitscht und wie Sklaven behandelt wurden, bis es einigen Britisch-Indiern gelang, sie durch Lösegeld zu befreien“.[103] Im Neuen Wiener Abendblatt vom gleichen Tag mußten die beiden “Sklavenarbeiten verrichten... verdankten die Rettung ihres Lebens den englischen Unterthanen, welche sie loskauften“;[104] in den Morgenausgaben der genannten Blätter wurden diese Berichte noch weiter ausgeschmückt.[105]

Mit den Begleiterscheinungen freilich, die der Verlauf der „Privatexpedition“ mitten im Kolonialkrieg mit sich gebracht hatte, zeigten sich die kolonialen Praktiker vor Ort weniger zufrieden. Wissmann wurde in deutschen Zeitungen mit abwertenden, im Kern aber wohl zutreffenden Bemerkungen über „Privatexpeditionen“ zitiert: “Die bekannte Ausplünderung der Karawane des Dr. Hans Meyer durch Simbodja sei im afrikanischen Sinne keine Räuberei zu nennen (!); Dr. Meyer sei unüberlegt vorgegangen ...“.[106] Ähnlich urteilte auch sein Gefolgsmann Rochus Schmidt: „Das Urteil der mit den Verhältnissen im Hinterland von Pangani vertrauten Persönlichkeiten, - und das ist nicht das Urteil flüchtig das Land durchziehender Reisender, wie Dr. Meyer, sondern das Urteil der dort jahrelang thätigen Beamten und Offiziere, - …“[107]

In Zanzibar verhinderte weiters der britische Generalkonsul Charles Euan Smith, dem Meyer die 12.000 Rupien (samt 2000 Rupien als „interest“ für Bushiris Schatzmeister) Lösegeld zur Weiterleitung an Bushiri übergeben hatte, die Auszahlung der Summe und löste damit erhebliche Verwicklungen - nicht zu Ungunsten Bushiris - aus[108]. Hans Meyer und Oscar Baumann wurden vom deutschen Generalkonsul Michahelles ausführlich über ihre Wahrnehmungen über Bushiri bin Salim und die von allen Europäern verlassene Stadt Pangani einvernommen. In seinem Bericht darüber an Reichskanzler Bismarck[109] hob Michahelles vor allem Hans Meyers Einschätzung hervor, daß Bushiri “von dem Sultan in Zanzibar Nichts wissen (will); er stellt sich auf eine Stufe mit Tippo Tip und will eine unabhängige Herrschaft begründen. Herr Dr. Meyer hat den Eindruck erhalten, daß die Bewegung lediglich von ihm angezettelt ist und auf seiner Persönlichkeit beruht, ... würde er unschädlich gemacht, so wird vermuthlich der Aufstand in sich zusammenbrechen. ... Vorläufig beherrscht er noch die Situation in Pangani, so bald er von seinem Landgut in die Stadt kommt, jubelt ihm das Volk zu, die vornehmen Araber machen ihre Aufwartung und der Wali nebst der Sultanspartei verschwinden neben ihm"; in einem gleichzeitigen Privatschreiben stellte Michahelles weiter fest: “Die Autorität des Sultans ist so zusammengebrochen, daß er uns nichts mehr nützt.“[110]

Oscar Baumann vertrat in einem wenig später in der Neuen Freien Presse erschienenen Beitrag[111] eine inhaltlich gegenteilige Ansicht zu Meyer. Er war nicht der Meinung, der Aufstand würde zusammenbrechen, wenn Bushiri ausgeschaltet wäre. Er sah die Gefahr vielmehr in den “Massen von Sklaven“ die sich dem Aufstand angeschlossen hatten, sie wären die Hauptkämpfer und “mit dieser halborganisirten und gut bewaffneten Truppe muß vor Allem gerechnet werden“. Zwei Jahre später bedauerte Baumann die Hinrichtung Bushiris aus persönlichen wie auch aus politischen Gründen: “Er gefiel mir als entschlossener Kriegsmann und auffallend kluger Kopf“[112], und: “So bleibe ich dabei, daß es schlauer gewesen wäre den Buschiri nicht zu hängen, sondern ihn als Trumpf gegen seinen Nachfolger Buana Heri auszuspielen.“[113]

Baumann argumentierte in dem erwähnten Artikel weiter, nur “energisches Vorgehen“ und “Züchtigung der Aufständischen“ könnten die Unruhen niederhalten. Darin stimmte er nicht nur mit seinem Expeditionskollegen Hans Meyer, sondern auch mit den übrigen Deutschen in Zanzibar überein, etwa mit dem Zoologen Franz Stuhlmann[114], mit dem Vertreter des Hamburger Handelshauses O‘Swald & Co.[115] und nicht zuletzt mit dem deutschen Generalkonsul Michahelles.[116] Der Ruf nach “energischem Vorgehen“ und “Züchtigung des Packs“ wurde in Berlin zur Frage einer prinzipiellen weiteren kolonialpolitischen Strategie. “Entweder die Stellungen in Ostafrika aufgeben ...“ oder die Verwaltung von “Reichs wegen übernehmen. ... Ein vollständiger Rückzug würde .... ohne Einbuße an politischen Ansehen dem Auslande gegenüber kaum durchführbar sein. Auch dürfte der scheinbare Triumph, welcher hierin für die parlamentarische Opposition gegen die Kolonialpolitik liegt, auf innerem Gebiete und bei den Wahlen in unerwünschter Weise ausgebeutet werden. “[117]

Gemäß dieser Argumentation wurde die Verwaltung “von Reichs wegen“ übernommen (die DOAG also praktisch ausgebootet) und der deutsche Forschungsreisende Herrmann von Wissman als militärischer Führer nach Ostafrika bestellt. Wissmann heuerte Truppen mit Soldaten aus dem Sudan und Moçambique an, die die deutschen Schutztruppensoldaten unterstützen sollten. Nach vielen, wenig erfolgreichen Gefechten für beide Seiten glückte es Bushiri und seinen Gefolgsleuten zu fliehen. Erst im Dezember 1889 gelang es den deutschen Truppen, ihn gefangen zu nehmen - und das auch nur, weil Bushiri durch einen Chief aus der Usambara-Region gegen Geld verraten worden war. Semboja, der von Bushiri um Unterstützung gebeten worden war, um in den englisch verwalteten Teil der ostafrikanischen Küste zu gelangen, verhielt sich - wie so oft - untätig nach beiden Seiten. Bushiri wurde sofort nach seiner Gefangennahme am 15. Dezember 1889 gehängt.[118]

Der Aufstand brach zunächst nicht zusammen (was Baumann recht gab), obwohl unter dem militärischen Druck viele chiefs mit den Deutschen kollaborierten, sich durch ein regelmäßiges Gehalt bestechen ließen, abgesetzt wurden oder sich ins Landesinnere zurückzogen.[119] Erst Mitte 1890 kehrten wiederum “Ruhe und Ordnung“ nach preußischen Maßstäben in Deutsch-Ostafrika ein. Von Semboja, der sich ohne Umstände unterwarf, wurde eine Entschädigungszahlung für generelle Unannehmlichkeiten (u.a. auch die Behandlung der Meyer-Expedition) von 1000 Rupien in Geld und 2800 Rupien in Elfenbein gefordert[120], er jedoch - zumindest vorläufig - als einflußreichste Autorität von West-Usambara mit einem regelmäßigen Monatsgehalt der deutschen Kolonialverwaltung anerkannt.[121] Nach dem Tode Sembojas 1895 marschierten deutsche Truppen in Usambara ein. Sembojas Sohn wurde mit einer fadenscheinigen Begründung hingerichtet.[122]

Sowohl Hans Meyer als auch Oscar Baumann kehrten noch 1889 nach Ostafrika zurück: Meyer und der Tiroler Ludwig Purtscheller in einer weiteren Privatexpedition, um den Kilimanjaro erstzubesteigen. Baumann im Auftrag der DOAG, um durch eingehende geographische, wirtschaftliche und ethnographische Forschungen die Landnahme durch deutsche Siedler vorzubereiten.



[1] Aus der neueren Forschung tun dies z.B.: Steven Feierman, The Shambaa Kingdom. A History, Madison/Wisconsin 1974; Norman R. Bennett, Arab versus European. Diplomacy and War in Nineteenth Century East Central Africa, New York, London 1986; Abdul Sheriff, Slaves, Spices & Ivory in Zanzibar, London, Dar es Salaam, Nairobi, Athens 1987; Juhani Koponen, People and Production in late precolonial Tanzania. History and Structures, Jyväskylä 1988; Steven Feierman, Peasant Intellectuals. Anthropology and History in Tanzania, Madison/Wisconsin 1990; Isaria N. Kimambo, Penetration & Protest in Tanzania, London, Dar es Salaam, Nairobi Athens, 1991; Juhani Koponen, Development for Exploitation. German colonial policies in Mainland Tanzania. 1884-1914, Helsinki, Hamburg 1994; Jonathon Glassman, Feasts and Riot. Revelry, Rebellion, and Popular Consciousness on the Swahili Coast. 1856-1888, Portsmouth, London, Nairobi, Dar es Salaam 1995.

[2] Oskar Lenz, Mittheilungen der K.K. Geographischen Gesellschaft in Wien (MGGW), Bd. XXXIII. N.F. XXII., 1890, 271.

[3] Georg Schweinfurth an Oscar Baumann vom 22.08.1891, Wiener Stadt- und Landesbibliothek (WStLB) Handschriftensammlung, 9163.

[4] Feierman, Shambaa Kingdom (Anm. 1), 202; Bennett, Arab versus European (Anm. 1), 158; Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 232, 233, 243; im Tanzanischen Nationalmuseum in Dar es Salaam wird Baumann im Saal zur 'Europäischen Erforschung Tanzanias' in den biographischen Anmerkungen als Österreicher dargestellt, einige Vitrinen weiter zum Thema 'Widerstand 1888' allerdings wieder als 'Deutscher' bezeichnet.

[5] Zur Biographie siehe: Michael Haberlandt, Dr. Oskar Baumann. Ein Nachruf, In: Abhandlungen der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien, Bd. II., 1900, 3-20; ÖBL, 1954, 57; Max Kratochwill, Oscar Baumann und das "Caput Nili", In: MGGW, Bd. 104, 1962, 190-194; ders.: Der Afrikaforscher Oscar Baumann. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, In: MGGW, Bd. 106, Heft II, 1964, 209-214; ders.: Oscar Baumanns Konsulatsbewerbung, In: Wiener Ethnohistorische Blätter, 25 (1983), 97-103; Dietmar Henze: Enzyklopädie der Entdecker und Erforscher der Erde, Graz 1975, 200-205; Dr. Oscar Baumann, In: Abenteuer Ostafrika, Hg.: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt 1988, 247-248; Barbara Köfler, Anmerkungen zu Oscar Baumanns ersten Photographien, In: Archiv für Völkerkunde, 48 (1994), 151-160 und dies.: Oscar Baumanns Reise nach Ruanda und Burundi. Aus Anlaß der 130. Wiederkehr seines Geburtstages, Hall i. Tirol 1994.

[6] Katalog der 7. Klasse, Schuljahr 1882/1883 der K.k. Ober-Realschule im III. Wiener Stadtbezirke, Archiv Bundes-Realgymnasium, Radetzkystraße.

[7] Haberlandt (Anm. 5), 5: führt 3 Vorträge Baumanns im Deutsch-Österreichischen Alpenverein und dem Österreichischen Touristenclub gehalten zwischen Februar 1882 und Jänner 1883 an. Zur wissenschaftlichen Vorbildung Baumanns siehe seine frühen Arbeiten: Reise durch Montenegro, In: MGGW, XXVI. Bd. 1883, 566-606; ders.: Zur Kartenskizze der Durmitorgruppe mit Karte, In: MGGW. XXXVII. Bd., 1884, 272-273; ders.: Von Tuzi nach Scutari, In: Globus Nr.7. XLV. Bd., 1884, 106-109; ebenso drei weitere Arbeiten, die Überblicke zu Forschungsreisen verschiedener europäischer Wissenschafter in Neuguinea brachten.

[8] Zur Person Oskar Lenz siehe ÖBL, 1972, 140; Cornelia Essner, Deutsche Afrikareisende im 19. Jahrhundert, Stuttgart 1985, 86-87; Henze, Enzyklopädie (Anm. 5), 1988, 211-217. Über die „Congo-Expedition“, die einzige österreichisch-ungarische Forschungsexpedition, liegt bedauerlicherweise bislang noch keine Darstellung vor. 

[9] Oskar Lenz, Die österreichische Kongoexpedition., In: Österreichische Monatsschrift für den Orient,  Nr. 5 vom 15. Mai 1885, 99-101.

[10] Oskar Lenz, Österreichische Congo-Expedition. Briefe an den Ausschuß der k.k. Geographischen Gesellschaft, In: MGGW, XXIX. Bd. N.F. Bd. XIX, 1886, 26-37, hier 26-28 und Oskar Lenz, Die österreichische Kongo-Expedition. Briefliche Mitteilung, In: Petermanns Mitteilungen (PM), 32. Bd., 1886, 121-123, hier 121.

[11] Zu Tippu Tip vgl. Kenneth Ingham, A History of East Africa, London 1962, 65-69; Alfred J. Swann, Fighting the Slave-Hunters in Central Africa. A record of twenty-six years of travel and adventure round the Great Lakes and of the overthrow of Tip-pu-Tib, Rumaliza and other great Slave-Traders. With an new Introduction of Norman R. Bennett, London 1969; Leda Farrant, Tippu Tip and the East African Slave Trade, London 1975; Sheriff, Slaves, Spices & Ivory (Anm. 1), Kapitel 5. Die Autobiographie ist veröffentlicht als: Autobiographie des Arabers Schech Hamed bin Muhammed el Murjebi. Transcribirt und übersetzt von H. Brode, In: Mittheilungen des Seminars für Orientalische Sprachen zu Berlin. III. Abt. Afrikanische Sprachen, 1. Teil: Jg. 1902, 175-277; der zweite Teil der Autobiographie ist in der gleichen Zeitschrift Jg. 1903, 1-55 veröffentlicht.

[12] Curriculum Vitae vom 25.12.1895, In: Haus- Hof- und Staatsarchiv Wien (HHSTA), A.R. F4/19; vgl. auch Oscar Baumann: In Deutsch-Ostafrika während des Aufstands, Wien, Olmütz, 1891, 47; Swahili war und ist die ostafrikanische Verkehrssprache.

[13] Veröffentlicht als: Eine afrikanische Tropeninsel Fernando-Poó, Wien 1888.

[14] Zur Biographie siehe Johannes Hohlfeld, Hans Meyer, In: Deutsches Biographisches Jahrbuch.11, Stuttgart, Berlin 1932, 211-216; Henze, Enzyklopädie (Anm. 5), 1993, 452-457.

[15] Baumann an Oskar Lenz vom 25.03.1888, Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Sammlung Darmstätter, Afrika 1888.

[16] Hans Meyer, Ostafrikanische Gletscherfahrten. Forschungsreisen im Kilimandscharo-Gebiet, Leipzig 1890, VIII-X, Vorwort. Hans Meyer bestieg den Kilimanjaro erst in einer dritten Expedition 1889-1890 mit dem österreichischen Alpinisten Ludwig Purtscheller.

[17] Die Deutsch Ostafrikanische-Gesellschaft war eine von Carl Peters ins Leben gerufene Kolonialorganisation, die allerdings mit der offiziellen deutschen Außenpolitik in Ostafrika teilweise konkurrierte; vgl.: Fritz F. Müller, Deutschland - Zanzibar - Ostafrika, Berlin (Ost) 1959, 97f.; Hans-Ulrich Wehler, Bismarck und der Imperialismus, München, 1976; Klaus J. Bade, Friedrich Fabri und der Imperialismus in der Bismarckzeit. Revolution-Depression-Expansion, Freiburg i.B. 1975, 287-297; Koponen, Development for Exploitation (Anm. 1).

[18] Vgl. sein Buch: Oscar Baumann, Usambara und seine Nachbargebiete, Berlin 1891.

[19] Zu dieser Reisetätigkeit vgl. seine Bücher: Durch Massailand zur Nilquelle, Berlin 1894; Der Sansibar-Archipel, Erstes Heft: Die Insel Mafia und ihre kleineren Nachbarinseln, 1896. Zweites Heft: Die Insel Sansibar und ihre kleineren Nachbarinseln, 1897. Drittes Heft: Die Insel Pemba und ihre kleineren Nachbarinseln, 1899.

[20] Zahlen für die Jahre 1885-86 sprechen von 70.000 Pfund Elfenbein jährlich. Auch soll die Qualität des Elfenbeins aus diesen Gebieten besser gewesen sein als das, das in Bagamoyo verkauft wurde. Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 68-69.

[21] Die Shirazi bezogen sich auf einen meist fiktiven Ahnherrn, der aus einem fiktiven Ort im Mittleren Osten kam, ein Trend unter Swahili-Notablen, der schon im 16. Jh. eingesetzt haben soll. Damit wollten sie sich vor allem von den “neu“ Hinzugezogenen, auch Arabern, die der Wirtschaftsboom ab Mitte des 19. Jh. an die Küste führte, unterscheiden. Sie konnten somit auf “tiefere“ arabische Wurzeln verweisen - sie sahen sich als “alte“ Araber, obwohl sie durch Heiraten mit Afrikanerinnen eigentlich “Swahili“ waren. Glassman sieht in dem Terminus “Shirazi“ eine Variante der Swahili-Kultur gekennzeichnet, die für die “Mrima“, die ostafrikanischen Küste, signifikant ist und sich nicht, wie in älteren Arbeiten zur Geschichte Ostafrikas angenommen wurde, auf direkten arabischen Einfluß herauskristallisierte. Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1),  4, 32-34.

[22] jumbe (Plural: majumbe): Dorfältester bzw. Shirazi-chief. Die komplexe Position des jumbe hatte in erster Linie große Autorität bei Ritualen, was dann in zweiter Linie auch zu politischer wie kommerziell ökonomischer Stellung führte. Siehe z.B. Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 146f.

[23] liwali (Plural: maliwali): Statthalter/Gouverneur; es war der höchste lokale Verwaltungsbeamte im Omanisch-Zanzibarischen Staatsapparat, in den meisten Quellen aus dem 19. Jh. nur als Wali oder Vali bezeichnet.

[24] Koponen, People and Production (Anm. 1), 205.

[25] Zur Identität von Usambara und anderen Völkern in Tanzania führt Juhani Koponen mehrere Beispiele an, die veranschaulichen, daß die Grenzen der einzelnen Völker untereinander eher vage und durchlässig waren. Die “Stammes“namen seien an der Küste für die fragenden Europäer “ad hoc“ von Afrikanern wie auch von Händlern vergeben worden. Europäische Reisende folgten vertrauensvoll den an der Küste gelernten ethnischen Definitionen, die sie dann im Landesinneren als “Stämme“ zu identifizierten suchten. Diese Bezeichnungen ergeben dann “...through the power of the written word, incorporated into the world of western learning and canonized as the ethnographic map of East Africa“ Koponen, People and Production (Anm. 1), 180-191, hier 188.

[26] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 17, 18, 22, 31.

[27] Lineage ist ein aus dem Englischen in die deutschsprachige Ethnologie übernommener Begriff (in älteren Arbeiten findet sich noch die Bezeichnung “Abstammungsgruppe“). Lineage ist eine Verwandtschaftsgruppe, deren Mitglieder von einem Ahn in bekannter männlicher (weiblicher) Linie abstammen. Literaturhinweise und Diskussion zu Lineage siehe auch Ernst Wilhelm Müller, Lineage, In: Neues Wörterbuch der Völkerkunde, Walter Hirschberg  (Hg.), Berlin 1988, 285-286.

[28] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 34f.

[29] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 34-39; Feierman, Peasant Intellectuals (Anm. 1), 105-155 und 120-153.

[30] Baumann, Usambara (Anm. 18), 176.

[31] Vgl. Baumann, Usambara (Anm.18), 194-195; allgemein dazu siehe: Andrew Roberts, Political Change in the nineteenth Century, In: A History of Tanzania,  Isaria N. Kimambo and A.J. Temu (ed.), Nairobi 1969, 57-84, hier 60-62; Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 145-167, 185-204; Koponen, Development for Exploitation (Anm. 1), 121.

[32] Vgl.: Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 267-286; W.O. Henderson, German East Africa, 1884-1918, In: History of East Africa, Vincent Harlow and E.M. Chilver (ed.), Vol. II, Oxford 1965, 123-162; Wehler, Bismarck und der Imperialismus (Anm. 17), 333-367; John Iliffe, A modern History of Tanganyika, London, New York, Melbourne 1979, 88-106; Klaus J. Bade: Das Kaiserreich als Kolonialmacht: Ideologische Projektionen und historische Erfahrungen. In: Die deutsche Frage im 19. und 20. Jh. Hgg. von Josef Becker und Andreas Hillgruber (München) 1983:91-108; Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn, München, Wien, Zürich 1985, 79-109, 154-169; Michael Fröhlich, Von Konfrontation zur Koexistenz: die deutsch-englischen Kolonialbeziehungen in Afrika zwischen 1884-1914, Bochum 1990, 32f.; Koponen, Development for Explotiation (Anm. 1), 45-88.

[33] Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 272; Harald Sippel, Recht und Herrschaft in kolonialer Frühzeit: Die Rechtsverhältnisse in den Schutzgebieten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (1885-1890), In: Peter Heine und Ulrich van der Heyden (Hg.), Studien zur Geschichte des deutschen Kolonialismus in Afrika, Pfaffenweiler 1995, 466-494.

[34] Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 29f.

[35] z.B. Rochus Schmidt, Geschichte des Araberaufstandes in Ost-Afrika. Seine Entstehung, seine Niederwerfung und seine Folgen, Frankfurt a.d. Oder 1892 oder Paul Reichard, Deutsch-Ostafrika. Das Land und seine Bewohner, seine politische und wirtschaftliche Entwickelung, Leipzig 1892, (zum Aufstand: 105-175f.).

[36] Bundesarchiv Berlin (BArch) R1001/406:110f. Abgedruckt in Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17),  Dokument Nr. 37, 544-546.

[37] Abschrift in BArch R1001/694:59. Auszugsweise abgedruckt bei Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17),  Dokument Nr. 40, 548.

[38] Hamedi bin Abdallah bin Said bin Abdallah bin Masudi el Buhry, The German Conquest of the Swahili Coast 1891 a.d., translated by J.W.T. Allen, Nairobi, Dar es Salaam, Kampala 1968.

[39] Zu Rudolf Fuchs und seine Bestellung zum Honorarkonsul vgl. die Akten im HHSTA: A.R. F4/100 und Zanzibar National Archive (ZNA): AA1/62 und ZNA AA1/63. Ein Handels- und Schiffahrstvertrag zwischen Österreich-Ungarn und dem Sultanat Zanzibar, wurde am 11.08.1887 unterzeichnet. Der Austausch der Ratifikationen fand im Dezember 1888 statt, HHSTA: Allgem. Urkundenreihe 1887:VIII/11; Vertragstext auch in HHSTA: A.R. F 30/93.

[40] Fuchs an Graf Kalnoky, 14.01.1889, In: HHSTA: P.A. 38/276.

[41] Petition der Aufrührer von Pangani, In: Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 382.

[42] Zu den Ereignissen siehe: Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 380ff.; Bennett, Arab versus European (Anm. 1), 146f.; Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1),  214f.

[43] Wehler, Bismarck und der Imperialismus (Anm. 17), 336.

[44] BArch 1001/691:30-31 und 60-61; Privatschreiben von Michahelles vom 30.01.1889, BArch R1001/695:57-61; Bericht Fuchs vom 14.01.1889, HHSTA: P.A. 38/276.

[45] Anmerkungen Bismarcks zu einem Bericht von Michahelles, BArch R1001/693:75-76; siehe auch Bericht von O’Swald an Stammhaus in Hamburg vom 22.10.1888, BArch R1001/693, 107-117, hier 112: Die Flagge Zanzibars sei in Ostafrika ein genauso geachtetes und unantastbares Symbol, wie die Nationalflaggen in Europa und im Vertrag stehe ja ausdrücklich, daß die DOAG – Verwaltung unter Zanzibars Souveränität stattfinden solle. Ähnlich auch Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 37.

[46] Winfried Baumgart, Die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika. Neue Wege der Forschung, In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 58. Bd., 1971, 468-481, hier 470.

[47] Die Wirkungen dieser Nachricht auf ein Dorf nahe Tanga beschreibt Hamedi bin Abdallah el Buhry (Anm. 38) in Vers 243-244.

[48] Zur Bewertung dieses Aufstandes durch die Historiographie siehe: Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17); G.C.K. Gwassa: The German Intervention and African resistance in Tanzania, In: A History of Tanzania (Anm. 31), 85-122; Iliffe, A modern History (Anm. 32); Bennett, Arab versus European (Anm. 1) und  Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1).

[49] Hans Meyer an Baumann vom 19.02.1888, In: WStLB, Handschriftensammlung, 9157; Meyer erschien die Besteigung des Kilimanjaro als “nationale Pflicht“, da dieser “wahrscheinlich der höchste afrikanische, zweifellos aber der höchste Berg Deutschlands sei“. In: Ostafrikanische Gletscherfahrten (Anm. 16), Vorwort: VII.

[50] Vgl. ZNA: AL2/89. Interessanterweise berichtet Baumann in seinem Buch darüber nichts - konnte man einem deutschen Leserpublikum den Umstand nicht zumuten, daß man erst einen Sultan um Erlaubnis fragen mußte, um durch "deutsches Schutzgebiet" zu reisen?

[51] Die ostafrikanische Expedition Baumann – Meyer, In: Neue Freie Presse (NFP) vom 07.01.1889, 3.

[52] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 27f.; Vertrag zwischen Meyer und Sewa Hadschi vom 28.07.1888, ebda., 218f.

[53] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 36; zum "derartigen Optimismus" der DOAG vgl. kritisch Schmidt, Geschichte des Araberaufstandes  (Anm. 35), 25f.

[54] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 43.

[55] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 90.

[56] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 95; Koch und Küchenjunge verschwanden mit Proviant und Geschirr.

[57] Zeitungsausschnitt in BArch R1001/404:12.

[58] Brief gedruckt In: PM, Geographischer Monatsbericht 1888, 371-372, hier 372.

[59] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 97.

[60] Ebda.

[61] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 138.

[62] Baumann, Usambara (Anm. 18), 176.

[63] PM, Geographischer Monatsbericht 1888, 372.

[64] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 98.

[65] PM, Geographischer Monatsbericht 1888, 372.

[66] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 98.

[67] Ebda.

[68] Kimambo, Penetration & Protest (Anm. 1), 47-48.

[69] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 203.

[70] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 203; Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 386-387; Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 243.

[71] Bericht Gravenreuth vom 01.02.1889, BArch R 1001/404:19.

[72] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 101. Leider war es bisher nicht möglich diesen Brief aufzufinden. Auch geben die Quellen keinen Aufschluß, von welchem Konsulatsbeamten bzw. Konsulat - Deutschland, England oder Österreich-Ungarn - dieser Brief abgefaßt war.

[73] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 113.

[74] Hans Meyer und Oscar Baumann, Dr. Hans Meyers Usambara-Expedition, In: Mittheilungen von Forschungsreisenden und Gelehrten aus den Deutschen Schutzgebieten, 1888, 199-204, hier 204; Sembojas „Habgier“ beschreibt Baumann ausführlich: Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 113.

[75] Vgl. die Akten im ZNA: AL2/15:194; AL2/15:197, 199, 200 und AA1/61.

[76] O‘Swald an Kaiserliches Haus und des Aeussern Wien, Bericht vom 22.10.1888, HHSTA, P.A. 38/271.

[77] Entwurf Schreiben Michahelles an Sultan Khalifa, 09.10.1888, ZNA AL2/89:164.

[78] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 198 (zitiert A. Le Roy, Au Kilima-Ndjaro, Paris n.d., 438).

[79] von Hacke und Schroeder an Reichskanzler Caprivi, 16.03.1891, BArch R1001/404:27.

[80] Ausführlich setzt sich Koponen, People and Production (Anm. 1), 109f. damit auseinander. Waffen, importierte Stoffe und Kleider bedeuteten enormes ideologisches wie politisches Prestige für seinen Besitzer. Chiefs trugen europäische Kleider als Symbole der Macht und gaben sie nur an ausgesuchte Untergebene weiter. (vgl. Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 37f.) Von der Menge des Besitzes an Kleidern, Gewehren und Pulver hing der Einfluß und die Unterstützung anderer in Allianzen des chiefs als Kriegsherr oder als anerkannte Autorität ab. Siehe Koponen, People and Production (Anm. 1), 146; Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1), 136-138; Iliffe, A modern History (Anm. 32), 53.

[81] Schriftverkehr zwischen Meyer und dem Auswärtigen Amt, Auswärtiges Amt an Kaiserl. Gouvernement Dar-es-Salaam und Berichte aus der Station Mazinde, BArch R1001/404:36-46 und 55-68, 75-83.

[82] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 123.

[83] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 116.

[84] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 124.

[85] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 130.

[86] Baumann, Usambara (Anm. 18), 52. Mit Nyundo, der Hammer, ist Emil von Zelewski, DOAG-Agent in Pangani gemeint.

[87] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 136

[88] schamba (eigentlich shamba): Pflanzung, Farm, Landgut. The National Museum of Tanzania, Ausstellungsvitirine Resistance 1888. Gleichzeitig schrieb Meyer noch einen Brief an Tharia Topan, einen der reichsten und angesehensten indischen Kaufleute in Zanzibar, dessen Brief ebenfalls im Museum ausgestellt ist: falls Hansing die 10.000 Rupien nicht gezahlt habe, sollte er doch Meyer einen Kredit in dieser Höhe gewähren. Zu Tharia Topan bzw. indischen Kaufherren siehe Sheriff, Slaves, Spices & Ivory (Anm. 1), 107-109; Koponen, People and Production (Anm. 1), 61ff; John M. Gray, Zanzibar and the coastal Belt 1840-1884, In: History of East Africa, vol 1 ed. by R. Oliver and G. Mathew, Oxford 1963, 218f. Abdallah ben Abd el Kherim war der Sohn des Bushiri-Schatzmeisters, mit dem sie verhandelten. An dieser Stelle möchte ich dem Direktor des Nationalmuseums und Herrn Constantine Nyamabondo von der Publikumsbetreuung herzlich für die Anfertigung einer Photokopie dieses wie auch des Briefes Meyer an Tharia Topan danken.

[89] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 137.

[90] Eine Unterredung über Deutsch-Ostafrica mit dem französischen Bischof de Courmont, In: Kölnische Zeitung vom 27.04.1889, BArch R1001/697:61.

[91] Die Sekundärliteratur sieht Bushiri als Mitglied des al-Harthi Clans am wahrscheinlichsten an. Der al-Harthi-Clan, der vollkommen an die Swahili-Kultur angepaßt war, war neben den Mazrui und Nabahani der kenyatischen Küste unter den ersten, die sich an der ostafrikanischen Küste ansiedelten. Zu al-Harthi siehe: Gray, Zanzibar and the Coastal Belt (Anm. 88). Bushiri selbst bezeichnete seinen Familiennamen sowohl mit al-Harthi wie auch mit el-Barwani: ZNA AA1 64/207 und ZNA AA5 18/64.

[92] Die “Swahili-croud“ und Parteien in Pangani analysiert Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 146f. und 226f.

[93] Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 546.

[94] BArch R1001/693:18.

[95] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 138; Meyer schreibt hingegen, daß Bushiri 18 Jahre nicht mehr in Zanzibar war: Hans Meyer, Über seine letzte Expedition in Deutsch-Ostafrika, In: Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1889, 88-89; auch Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 236 plädiert für 18 Jahre.

[96] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 139; ähnlich Meyer, Über seine letzte Expedition (Anm. 95), 88-89.

[97] Ein Versprechen, das Bushiri hielt. Noch während Baumanns Aufenthalt in Zanzibar erhielt er über Vermittlung des englischen Generalkonsuls seine Aufzeichnungen zurück. Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), Vorwort.

[98] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 142.

[99] Baumann, Usambara (Anm. 18), 113.

[100] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 145.

[101] Oskar Lenz, Die gegenwärtigen Verhältnisse im tropischen Afrika, In: NFP vom 20.10.1888, 2.

[102] BArch R1001/694:146.

[103] In: NFP vom 23.10.1888, 7. Die Nachricht ging auf eine Meldung in der Londoner Times zurück, die am Vortag erschienen war: The Times vom 22. Oktober 1888, 5.

[104] Neues Wiener Abendblatt vom 23.10.1888, 1. Die Meldung ist eine beinahe wortwörtliche Übersetzung der Nachricht der Times (Anm. 103), 5.

[105] Näheres enthielt auch das von Oscar Baumann nach seiner Rückkehr nach Wien verfaßte Feuilleton in der NFP nicht: NFP vom 04.01.1889, 1-2; Expeditionsleiter Hans Meyers Vortrag vor der Berliner Geographischen Gesellschaft am 7. Jänner 1889 ist auszugsweise in der NFP als: Die ostafrikanische Expedition Baumann – Meyer, In: NFP vom 07.01.1889, 3-4 abgedruckt (der Text von Meyers Vortrag ist ausführlich – ohne allerdings die Lösegeldzahlung zu erwähnen - wiedergegeben in: Hans Meyer: Über seine letzte Expedition (Anm. 95), 83-95). Baumann selbst stellte die genauen Umstände ihrer Gefangennahme und das Scheitern der Kilimanjaro-Expedition ausführlich erst in seinem 1890 erschienenes Buch „In Deutsch-Ostafrika während des Aufstands“ (Anm. 12) dar.

[106] Wissmann wird wörtlich weiter zitiert: “Wir fangen hier an im Allgemeinen Privatexpeditionen ohne praktische Ziele unhold zu werden, da wir die Erfahrung machen, daß jeder heimkommende Reisende sich beeilt, seine oft recht zweifelhaften Erfolge in Wort und Schrift der staunenden Welt preiszugeben, besonders interessant aber zu sein glaubt, wenn er die Maßnahmen der Behörden einer scharfen Kritik unterwirft.“, In: Hannoverscher Kurier vom 01.05.[1891], BArch R1001/404:30.

[107] Schmidt, Geschichte des Araberaufstandes (Anm. 35), 183.

[108] Nach langwierigen Verhandlungen erhielt Meyer das Geld zurück, doch wurden kurz Zeit darauf in Pangani etwa 50 Ladungen mit Versorgungsgütern für die Station Magila der (britischen) Universities Mission to Central Africa von den Aufständischen beschlagnahmt, offenbar als Reaktion auf das Ausbleiben der Zahlung. Der für die Station Magila verantwortliche Bischof Charles Alan Smythies, der den Generalkonsul heftig für seine Einmischung kritisierte, löste schließlich die Versorgungsgüter für Magila persönlich mit einem Geldgeschenk an die Aufständischen aus, wobei Bushiri vermittelnd eingriff. Dieser selbst hielt sich offenbar an den Waren eines indischen Kaufmannes (wahrscheinlich Abdul Kerim) für die ausstehende Lösegeldzahlung schadlos. Schriftwechsel liegt im ZNA AA1 63:72, 23 und AA1 67:123, 156.

[109] Michahelles an Bismarck, 22.10.1888, BArch R1001/693:20-23; Auszugsweise gedruckt in: Deutsche Kolonialzeitung Nr. 51 (N.F. 1. Jg.) vom 22.12.1888, 427; ausführlich in den Stenographischen Berichten über die Verhandlungen des Reichstages. 7. Legislaturperiode. IV. Session 1888/89, 4. Bd., 1. Anlageband, Berlin 1889, 405-406, Dokument Nr. 17.

[110] BArch R1001/693:23.

[111] Baumann,  Eine ostafrikanische Expedition, In: NFP vom 04.01.1889, 1-2; der gleiche Text erschien auch in: MGGW Bd. XXXII (N.F.XXXII) 1889, 29-34.

[112] Baumann, In Deutsch-Ostafrika (Anm. 12), 140.

[113] Baumann an Schweinfurth, 07.01.1890; Jagiellonen-Bibliothek Krakau, Sammlung Darmstätter, Nachlaß Georg Schweinfurth.

[114] BArch R 1001/693:41-51, hier 43. Stuhlmann wurde am 5. Oktober 1888 mit den Betreibern der DOAG Plantage Lewa in den Bondei-Hügeln, nach Zahlung eines Lösegeldes an Bushiri, über Pangani nach Zanzibar evakuiert. Bericht über die “Rettung der Beamten von Lewa“ siehe auch in: Deutsche Kolonialzeitung. Nr. 48, Dezember 1888, 386-390. Für Stuhlmann ist Bushiri die “Seele des Aufstandes“, ebda, 389.

[115] BArch R 1001/693:109-113.

[116] BArch R 1001/693:20-23.

[117] Lage der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Herbert von Bismarck (Entwurf Krauel) an Reichskanzler Bismarck vom 05.11.1888, BArch R1001/730:6-13; vgl. auch Klaus J. Bade: Antisklavereibewegung in Deutschland und Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika 1888-1890: Bismarck und Friedrich Fabri, In: Geschichte und Gesellschaft. 3.Jg. 1977, 31-58.

[118] Zu den Ereignissen siehe auch: BArch R1001/744:5-8; Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 376-487; Robert I. Rotberg: Resistance and Rebellion in British Nyasaland and German East Africa, 1888-1915: A tentative comparison. In: Prosser Gifford and Wm. Roger Louis ed.: Britain and Germany in Africa. Imperial Rivalry and Colonial Rule, London, New Haven 1967, 667-690; Gwassa, German Intervention (Anm. 48), 85-122; Iliffe, A modern History (Anm. 32), 88-98; Bennett, Arab versus European (Anm. 1), 149-176; Fröhlich,  Von Konfrontation  zur Koexistenz (Anm. 32), 73-85; Glassman, Feasts and Riot (Anm. 1), 249-270.

[119] Viele führten von dort aus einen Kleinkrieg gegen die Deutschen weiter, bis der Widerstand im Maji Maji – Aufstand von 1905 nochmals intensiv aufflammte. Siehe z.B. Gwassa, German Intervention (Anm. 48), 85-122.

[120] Müller, Deutschland-Zanzibar-Ostafrika (Anm. 17), 451; Bennett, Arab versus European (Anm. 1), 172 gibt den Betrag von 4000 Rupien Entschädigungszahlung Sembojas für die Verluste der Meyer und Baumann -Expedition an.

[121] Feierman, The Shambaa Kingdom (Anm. 1),  Kapitel 6; Iliffe, A modern History (Anm. 32), 99.

[122] Vgl. Strafverfahren gegen jumbe Mputa vom 30.04.1895, BArch R1001/404.

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